Sonntagsfrage Bundestagswahl

Sonntagsfrage Bundestagswahl: Ein Überblick über die Messung der politischen Stimmung

Der Sonntagsfrage für die Bundestagswahl kommt wegen der zentralen Rolle der Wahl eine große Bedeutung zu. Die entsprechenden Erhebungen vor den letzten Wahlen standen jedoch häufig im Ruf, unzuverlässig zu sein. Ob dieser Vorwurf gerechtfertigt ist und welche Gründe es geben kann, soll dieser Artikel erklären.

Blick zurück: Sonntagsfrage für die Bundestagswahl vor den letzten Abstimmungen

Sonntagsfrage für die Bundestagswahl vor den Wahlen 2017

Die Sonntagsfrage für die Bundestagswahl 2017 war insgesamt eher unzuverlässig, wie ein Blick auf die Umfragen in den 3 Tagen vor der Wahl beweist. CDU/CSU kamen in den Prognosen auf 34 bis 37 Prozent, erreichten tatsächlich aber nur 32,9 Prozent. Die SPD stand bei 20 bis 23 Prozent und erreichte 20,5 Prozent.

Platz 3 ging an die AfD mit 12,6 Prozent. Ihre Umfragen reichten von 10 bis 13 Prozent. Den vierten Rang sicherte sich die FDP mit 10,7 Prozent. Ihre Prognosen waren mit 9 bis 10,5 Prozent allerdings akzeptabel.

Für die Linke auf Platz 5 schwankten die Vorhersagen zwischen 8,5 und 11 Prozent. Tatsächlich wurden es 9,2 Prozent. Die Grünen schafften ebenfalls den Sprung in den Bundestag. Ihre Vorhersagen lagen bei 7 bis 8 Prozent. Tatsächlich wurden es 8,9 Prozent.

Als Erklärung wurde vor allem angeführt, dass die Institute den „Kanzlerinnen-Bonus“ bei der Union stark überschätzten.

Ein Balkendiagramm der Ergebnisse der Bundestagswahl 2017 - zu Betrachten im Kontext der Sonntagsfrage zur Bundestagswahl

Sonntagsfrage für die Bundestagswahl vor den Wahlen 2013

In den drei Tagen vor der Abstimmung 2013 war die Sonntagsfrage für die Bundestagswahl zuverlässiger als 2017, aber zeigte auch einige deutliche Schwankungen. CDU und CSU bewegten sich zwischen 38 und 40 Prozent, erreichten aber tatsächlich 41,5 Prozent. Der SPD wurden 26 bis 28 Prozent vorhergesagt. Tatsächlich reichte es nur für 25,7 Prozent.

Platz 3 ging an die Linke. Ihre Vorhersagen waren relativ zuverlässig und reichten von 8,5 bis 9 Prozent. Tatsächlich gewann die Partei 8,6 Prozent der Stimmen. Die Linkspartei lag damit hauchdünn vor den 8,4 Prozent der Grünen. Deren Vorhersagen hatten sich in den drei Tagen vor der Wahl zwischen 8 und 10 Prozent bewegt.

Für besondere Aufmerksamkeit und Kritik an den Meinungsforschungsinstituten sorgte das Ergebnis der FDP. Die Liberalen hatten mit 4,8 Prozent den Einzug in den Bundestag verfehlt. Eine entsprechende Prognose hatte kein Institut gewagt. Allerdings schwankten die Umfragen zwischen 5 und 6 Prozent und waren damit nicht weit vom tatsächlichen Ergebnis entfernt.

Die erstmals angetretene AfD verpasste mit 4,7 Prozent den Einzug ins Parlament nur knapp. Die Umfragen sahen sie bei realistischen 4 bis 5 Prozent.

Sonntagsfrage für die Bundestagswahl vor den Wahlen 2009

Die Sonntagsfrage für die Bundestagswahl 2009 war insgesamt relativ präzise. CDU/CSU gewannen die Wahlen mit 33,8 Prozent der Stimmen. Ihre Umfragen lagen in den fünf Tagen vor der Wahl bei 33 bis 35 Prozent. Die SPD landete auf Platz 2 mit 23,0 Prozent. Ihre Vorhersagen lagen bei 24 bis 25 Prozent und waren so insgesamt etwas zu hoch.

Platz 3 ging an die FDP. Die Liberalen standen in den Umfragen bei 13,5 bis 14 Prozent. Tatsächlich gewann die Partei 14,6 Prozent der Stimmen. Für die Linke waren die Prognosen sehr präzise. Vorhergesagt wurden 11,5 bis 12 Prozent. Tatsächlich erreichte die Partei 11,9 Prozent. Für die Grünen galt ein ähnlicher Befund: Prognostiziert wurden 10 bis 11 Prozent. Die Partei erreichte 10,7 Prozent in den Wahlen.

Sonntagsfrage für die Bundestagwahl in früheren Jahren

Die Sonntagsfrage für die Bundestagwahl lag bei älteren Abstimmungen war in der Regel relativ präzise. Die einzig drastische Ausnahme war die Bundestagswahl 2005. CDU und CSU erreichten im Mittelwert 41,6 Prozent in den Umfragen, gewannen aber tatsächlich 35,2 Prozent. Die SPD schnitt mit 34,2 Prozent auch besser als erwartet ab. Die Differenz zwischen Prognosen und tatsächlichem Wahlergebnis war jedoch relativ klein: Im Mittelwert lag die SPD in den Vorhersagen bei 33,3 Prozent und damit nicht deutlich unter dem tatsächlichen Wahlergebnissen.

Die kleinen Parteien wurden insgesamt zu schwach eingeschätzt. Drastisch war dies allerdings nur bei der FDP. Sie lag in den Umfragen im Mittel bei 7,1 Prozent, erreichte aber tatsächlich 9,8 Prozent. Offensichtlich gab es in der tatsächlichen Wahl eine Verschiebung von der CDU zu Gunsten der Liberalen.

Sonntagsfrage für die Bundestagswahl zwischen den Abstimmungen

Die Sonntagsfrage für die Bundestagswahl ist in jeder Woche ein beliebter Indikator, um die aktuelle politische Stimmung zu messen. Tatsächlich geeignet ist dieses Werkzeug nur bedingt. Passend erscheint es für die SPD, die Grünen und die Linkspartei. Die Werte für CDU und CSU sind traditionell zwischen den Wahlen überhöht. Die FDP wird oft zu schwach eingeschätzt. Die AfD schwankt innerhalb kürzester Zeit extrem. Bei ihr lassen sich bestenfalls generelle Tendenzen ausmachen.

Diese Institute erheben regelmäßig die Sonntagsfrage für die Bundestagswahl

  • Infratest dimap: CDU/ CSU und SPD sind oft zu stark. Die kleinen Parteien schneiden dagegen zu schwach ab.
  • Forschungsgruppe Wahlen: Die großen Parteien sind etwas zu stark, die kleinen dagegen etwas zu schwach.
  • Forsa: Auch hier sind die großen Parteien (und insbesondere die SPD) zu stark. Die kleinen Parteien werden dagegen relativ präzise erfasst.
  • INSA: Das Institut liefert relativ zuverlässige Prognosen.
  • YouGov: Die großen Parteien sind tendenziell zu stark.
  • Allensbach: Die großen Parteien sind tendenziell zu stark.
  • Emnid: Die kleinen Parteien sind oft zu schwach.

Die folgende Grafik zeigt die Daten der Sonntagsfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach seit 2011. Allensbach erhebt die Sonntagsfrage auf monatlicher Basis.

Fazit: Sonntagsfragen besser als ihr Ruf

Die Sonntagsfrage für die Bundestagswahl ist insgesamt zuverlässig. Die Institute haben zumeist eine Fehlerquote von maximal 2 Prozent. Diese fällt allerdings durch das besondere Gewicht der Wahlen mehr auf.