Sonntagsfrage Baden-Württemberg

Die Sonntagsfrage in Baden-Württemberg – Aktuell und Chronologie

Aktuelle Werte der Sonntagsfrage Baden-Württemberg
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Baden-Württemberg ist mit rund 11 Mio. Einwohnern nach Nordrhein-Westfalen und Bayern das bevölkerungsreichste Bundesland. Mehr als jeder achte Bundesbürger lebt und arbeitet hier. Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, dass eine Sonntagsfrage in Baden-Württemberg bundesweit von Interesse ist, auch wenn sie sich auf die Wahlen und die Stimmung im Land bezieht.

Die Sonntagsfrage in Baden-Württemberg

Führende Meinungsforschungsinstitute stellen seit Jahrzehnten die Sonntagsfrage in Baden-Württemberg. Für die letzten zwanzig Jahre betrachtet sind die Befragungen mehr oder weniger regelmäßig von bekannten Instituten bzw. Einrichtungen wie Forsa, Infratest Dimap, INSA oder Forschungsgruppe Wahlen durchgeführt worden. Im Internet-Zeitalter haben außerdem YouGov-Umfragen an Bedeutung gewonnen. Daneben gibt es fallweise in Auftrag gegebene Sonntagsfragen, die zum Teil auch über andere Institute und Dienstleister erfolgen.

Grundlegende Trends und Veränderungen im Zeitablauf

Baden-Württemberg ist erst 1952 aus den Ländern Baden, Württemberg-Hohenzollern und Württemberg-Baden entstanden. Seither war die CDU stets stärkste Kraft im Land und blieb dies bis zu den Landtagswahlen 2016. In den 1970er und 1980er Jahren verfügte sie sogar mehrfach über die absolute Mehrheit. Baden-Württemberg galt als „CDU-Hochburg“. Die ursprünglich starke FDP/DVP erreichte auf Landesebene nach 1968 nur noch bei den Landtagswahlen 2006 ein zweistelliges Ergebnis. Die SPD musste sich scheinbar „ewig“ mit Platz 2 begnügen.

Spätestens mit dem Aufstieg der Grünen zur stärksten Partei bei den Landtagswahlen 2016 geriet das lange zementierte Parteiengefüge aus den Fugen. Die CDU erreichte bei der Wahl nur noch Platz 2, die SPD rutschte durch den Einzug der AfD gar auf Platz 4 ab. Diese Veränderungen zeigten sich bereits im Vorfeld bei den regelmäßig gestellten Sonntagsfragen, wenn auch nicht so ausgeprägt.

Sonntagsfrage Baden-Württemberg und Landtagswahlen 2016

Nach den Ergebnissen der Landtagswahlen in Baden-Württemberg vom 13. März 2016 wurden die Grünen mit 30,3 Prozent erstmals stärkste Partei, gefolgt von der CDU (27,0 Prozent), der neu in den Landtag eingezogenen AfD (15,1 Prozent), der SPD (12,7 Prozent) und der FDP (8,3 Prozent). Bei den Sonntagsfragen kurz vorher hatte sich dieses Ergebnis bereits abgezeichnet, wobei die CDU in den Umfragen etwas besser abschnitt, die AfD dagegen schlechter als im Endergebnis. Die CDU hatte davor in den Sonntagsfragen lange mit Abstand Platz 1 belegt, während die AfD unter 5 Prozent rangierte. Der Umschwung kam um die Jahreswende 2015/16 und hing u.a. mit der zweideutigen Haltung der Landes-CDU in der Flüchtlingsfrage zusammen.

Gewinner und Verlierer der aktuellen Sonntagsfrage in Baden-Württemberg
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Sonntagsfrage Baden-Württemberg und Landtagswahlen 2011

Bei den Landtagswahlen am 27. März 2011 verlor die CDU ihre über Jahrzehnte behauptete Stellung als Regierungspartei und rutschte auf 39,0 Prozent ab. Die Grünen konnten ihr Ergebnis mehr als verzweifachen (24,2 Prozent) und überrundeten die SPD (23,1 Prozent). Die FDP zog mit 5,3 Prozent knapp in den Landtag ein. Die kurz zuvor veröffentlichten Sonntagsfragen lagen alle recht nahe am Ergebnis. Der „Verfall“ der CDU-Werte bei den Sonntagsfragen begann bereits früher – ab der ersten Jahreshälfte 2007 -, während die Grünen schon ab Mitte 2010 regelmäßig über 20 Prozent erreichten. Unzufriedenheit mit der lange dominierenden CDU – insbesondere mit dem erst kurz regierenden Ministerpräsidenten Mappus -, aber auch mit der Atomausstiegspolitik der Bundesregierung beeinflussten die Antworten bei den Sonntagsfragen und das Ergebnis 2011 maßgeblich.

Sonntagsfrage Baden-Württemberg und Landtagswahlen 2006

Die Landtagswahlen am 26. März 2006 in Baden-Württemberg brachten im Wesentlichen noch einmal eine Bestätigung der politischen Verhältnisse. Die CDU verlor leicht, blieb aber mit 44,2 Prozent mit Abstand stärkste Partei. Die SPD erzielte mit 25,2 Prozent ein schwaches Ergebnis, die Grünen konnten auf 11,2 Prozent zulegen, die FDP schnitt mit 10,2 Prozent ebenfalls stark ab. In den Sonntagsfragen vor der Wahl war die SPD noch um die 30 Prozent gesehen worden. Die CDU erreichte bei der Wahl in etwa das Resultat, das die Sonntagsfragen schon länger gezeigt hatten. Allerdings hatte sie bei Sonntagsfragen 2003/2004 – in der Endzeit der damaligen rot/grünen Bundesregierung – noch um die 50 Prozent gelegen.

„Hintergründiges“ zur Sonntagsfrage Baden-Württemberg

Die politische Grundeinstellung vieler Baden-Württemberger gilt als konservativ-liberal. Davon konnte über lange Zeiträume die CDU profitieren, die von 1953 bis 2011 stets die Landesregierung anführte, über lange Strecken sogar als alleinige Regierungspartei. Besonders stark war die CDU in Zeiten der sozialliberalen Koalition im Bund.
Seit dem Aufkommen der Grünen Ende der 1970er Jahre ist Baden-Württemberg allerdings auch ein grünes Stammland. Die Grünen sind bereits seit 1980 im Landtag vertreten, führen seit 2011 die Landesregierung und bilden seit 2016 die stärkste Partei. Ihr Aufstieg ging zunächst vor allem zu Lasten der SPD, in den letzten Jahren konnten die baden-württembergischen Grünen mit ihrem relativ konservativen Image aber auch viele traditionelle CDU-Wähler für sich gewinnen. Das zeigt sich auch in den Sonntagsfragen, wo – bei allen Schwankungen – über längere Zeiträume eine entsprechende Gewichtsverschiebung zu beobachten gewesen ist.
Der Erfolg der AfD bei der Landtagswahl 2016 stellt einen weiteren Umbruch dar, der in den Sonntagsfragen vergleichsweise spät – ab Anfang 2016 – deutlich wurde. Die Zukunft wird zeigen, ob es sich um eine vorübergehende Erscheinung oder um einen Dauerzustand handelt.

Sonntagsfrage Baden-Württemberg – Aussagekraft und Fehler

Wie sonst auch gilt bei einer Sonntagsfrage in Baden-Württemberg eine Fehlertoleranz von einem bis etwa drei Prozent. Die Fehlerrange bei der letzten Landtagswahl bewegte sich in diesem Rahmen, betrachtet man die Sonntagsfragen in zeitlicher Nähe zur Wahl. Auffällig war die von fast allen Instituten erfolgte deutliche Unterschätzung des AfD-Ergebnisses. Hier lag man zum Teil vier Prozent und mehr „daneben“. Das mag damit zusammenhängen, dass mancher AfD-Wähler seine Wahlabsicht nicht offenlegen wollte und dieser Umstand bei der Sonntagsfrage mangels Erfahrung nicht ausreichend berücksichtigt wurde.

Sonntagsfrage zeigt – Das Parteiensystem sortiert sich neu

Insgesamt weisen die Sonntagsfragen in Baden-Württemberg darauf hin, dass sich die Parteienlandschaft im „Ländle“ grundlegend verändert hat. Die Gewichte wurden verschoben und die Zahl der „Mitspieler“ ist größer geworden. Scheinbare Besitzstände haben sich als Illusion erwiesen. Festzementierte Strukturen gehören der Vergangenheit an. Stattdessen gilt mehr denn je: Alles ist im Fluss.