Sonntagsfrage Bayern

Bayern ist in politischer Hinsicht gleich aus mehrfachen Gründen ein besonderes Bundesland. Erstens tritt die CDU hier nicht an, lediglich die CSU, die dafür ausschließlich in Bayern aktiv ist, bewirbt sich als eine der beiden Unionsparteien um Stimmen. Zweitens ist die CSU aber auch die mit Abstand erfolgreichste Partei Bayerns. Seit 1957 regiert sie durchgehend – und zumeist sogar mit absoluter Mehrheit. Doch ein Überblick über die Sonntagsfrage der letzten Jahre in Bayern zeigt, dass sich etwas ändert.

Zum Vergleich: Die Ergebnisse der bayrischen Landtagswahl 2013

Um die Sonntagsfrage der letzten Jahre in Bayern richtig einordnen zu können, sei zuerst kurz auf die Ergebnisse der letzten Landtagswahl (15. September 2013) hingewiesen. Die CSU gewann 47,7 Prozent und konnte damit die absolute Mehrheit zurückerobern. Die SPD erreichte 20,6 Prozent der Stimmen. Freie Wähler und Grüne lagen mit 9,0 bzw. 8,6 Prozent fast gleichauf. Die FDP scheiterte mit 3,3 Prozent an der Fünf-Prozent-Hürde und verpasste damit den Sprung in den Landtag. Die AFD trat noch nicht an. Die Linke landete bei 2,1 Prozent und war damit ebenso stark (bzw. schwach) wie beispielsweise die Bayern-Partei.

Sonntagsfrage Bayern Sommer 2018

Die Sonntagsfrage im Sommer 2018 deutet auf einen Verlust der absoluten Mehrheit für die CSU bei den kommenden Landtagswahlen hin. Durchschnittlich liegt sie noch bei 40 Prozent. Platz 2 in der aktuellen politischen Stimmung des Sommers 2018 geht an die Grünen, die bei 13,9 Prozent liegen. Ihr Vorsprung vor der AfD ist jedoch nur hauchdünn: Die Alternative für Deutschland kommt in der Sonntagsfrage für Bayern auf durchschnittlich 13,8 Prozent. Ähnlich hohe Verluste wie der CSU stehen auch der SPD ins Haus, die noch bei 12,6 Prozent liegt. Die Freien Wähler mit 6,8 Prozent und die FDP mit 5,6 Prozent stehen ebenfalls vor dem Sprung in den Landtag. Die Linke steht in der Sonntagsfrage durchschnittlich bei 2,9 Prozent und dürfte damit deutlich an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern.

Sonntagsfrage Bayern Herbst 2017

Im Herbst 2017 waren die Zahlen schon mit den Werten des Sommers 2018 vergleichbar. Die CSU schwankte je nach Umfrage-Institut zwischen 37 und 41 Prozent. Die SPD bewegte sich zwischen 15 und 17 Prozent. Die Grünen schwankten zwischen 6 und 8 Prozent. Die AfD kam auf 11 bis 14 Prozent. Die FDP lag zwischen 7 und 8 Prozent. Die Freien Wähler bewegten sich zwischen 6 und 7 Prozent. Die Linke schwankte zwischen 3 und 4 Prozent.

Sonntagsfrage Bayern Herbst 2016

Im Herbst 2016 lag die CSU noch auf Kurs in Richtung absolute Mehrheit. Sie schwankte in der Sonntagsfrage zwischen 43 und 45 Prozent. Die SPD kam auf 18 bis 19 Prozent. Die Grünen lagen bei 10 Prozent. Die AfD schwankte zwischen 9 und 13 Prozent. Die FDP bewegte sich zwischen 4 und 6 Prozent. Die Freien Wähler standen bei 6 bis 7 Prozent. Die Linkspartei kam auf 2 bis 3 Prozent.

Sonntagsfrage Bayern Herbst 2015

Der Herbst 2015 war in Bayern wegen der Flüchtlingskrise von besonderem Interesse, da das Bundesland für die meisten der Ankommenden der erste Ort war, wo sie Fuß auf deutschen Boden setzen konnten. Die CSU-Landesregierung hatte verhältnismäßig hohe Zustimmungswerte. Sie kam auf 43 bis 46 Prozent. Die SPD bewegte sich zwischen 18 und 20 Prozent. Die Grünen standen bei 10 bis 12 Prozent. Die AfD kam auf 7 bis 9 Prozent. Die FDP bewegte sich zwischen 4 und 6 Prozent. Die Freien Wähler kamen auf 5 bis 6 Prozent. Die Linkspartei lag bei 3 Prozent.

Sonntagsfrage für den bayrischen Landtag vor 2015: CSU verliert langsam

Die CSU bewegte sich nach Landtagswahl 2013 in der Sonntagsfrage sogar nach oben und stand teilweise bei 49 Prozent. Ab dem Frühjahr 2015 begann sie allerdings langsam abzusacken. Zeitgleich stieg die AfD in den Umfragen, für die seit Herbst 2014 Werte gemessen werden. Die SPD nahm einen ähnlichen Verlauf: Sie bewegte sich lange auf Höhe ihres Wahlergebnisses und stand im Sommer 2015 in der Sonntagsfrage sogar noch einmal bei 20 Prozent. Erst dann begannen ihre Werte zu sinken. Die Grünen schwankten zwischen 2013 und 2015 regelmäßig zwischen 9 und 11 Prozent. Die FDP kletterte dagegen langsam nach oben. Sie lag bis zum Sommer 2015 regelmäßig bei 2 bis 3 Prozent und klettert seitdem. Die Freien Wähler bewegten sich von 2013 bis 2015 zwischen 9 und 12 Prozent und verlieren seitdem an Boden. Die Linkspartei ist in Bayern nur Splitterpartei. Zwischen 2013 und 2015 lag sie in der Sonntagsfrage bei durchschnittlich 2 Prozent.

Wer erstellt die Sonntagsfrage für Bayern?

Es sind im Wesentlichen die folgenden Umfrageinstitute, die regelmäßig für Bayern Sonntagsfragen erstellen. Sie arbeiten dabei für wechselnde Auftraggeber:

  • Infratest dimap (relativ ausgeglichen)
  • GMS (CSU traditionell etwas stärker als bei den anderen)
  • Emnid (relativ ausgeglichen)
  • Forsa (CSU häufig schwächer als bei den anderen)

Relativ häufig erstellt auch INSA (vor allem für die „Bild“) eine Sonntagsfrage für Bayern. Bei ihr ist charakteristisch, dass die AfD stärker als bei den sonstigen Umfragen ist. Seit 2018 ist zudem auch das Institut Civey in Bayern aktiv. Bei ihm erscheint im Vergleich die CSU zu stark, die AfD dafür zu schwach.

Fazit: Bayern kommt in der neuen bundesrepublikanischen Normalität an

Die Zeiten, in denen die CSU in Bayern leicht die absolute Mehrheit gewinnen konnte, scheinen vorbei. Der Aufstieg der AfD geht eindeutig zu Lasten der Unionspartei. Allerdings gewinnt laut der Sonntagsfragen die Alternative für Deutschland auch bei der SPD stimmen. Die Sozialdemokraten scheinen zudem Wähler an die Grünen einzubüßen. Die Linke scheint hingegen nicht von der Schwäche der SPD profitieren zu können. Sie bleibt in Bayern relativ bedeutungslos. Der Aufschwung der FDP geht vor allem zu Lasten der Freien Wähler. Abgesehen davon, dass die SPD in Bayern im Durchschnitt zu schwach ist, scheint das Bundesland damit in der neuen bundesrepublikanischen Normalität der letzten Jahre anzukommen.