Sonntagsfrage Berlin

Sonntagsfrage Berlin: Ein Überblick über die Messung der politischen Stimmung

Ein Balkendiagramm zeigt aktuelle Umfragewerte der Sonntagsfrage für Berlin.
Aktuelle Werte der Sonntagsfrage in Berlin.

Berlin kommt als größter deutscher Stadtstaat und als Bundeshauptstadt eine besondere Bedeutung zu. Landtagswahlen finden hier viel öffentliches Gehör. Zudem ist die Bevölkerung sehr differenziert, was es ermöglicht, unterschiedliche politische Strömungen sichtbar zu machen. Der Sonntagsfrage für Berlin als Instrument zur Messung der politischen Stimmung kommt entsprechend eine große Bedeutung zu – und in der Vergangenheit war sie verhältnismäßig präzise.

Berliner Wahlrecht: Kaum Besonderheiten

Das Berliner Wahlrecht kennt kaum Besonderheiten. Eigentlich fallen nur zwei auf. Erstens heißt der Landtag Abgeordnetenhaus. Entsprechend wird auch von Abgeordnetenhauswahlen gesprochen. Zweitens werden für die Fünf-Prozent-Hürde auch ungültige Stimmen berücksichtigt. Dies bedeutet, dass eine Partei mindestens fünf Prozent aller abgegebenen Stimmen gewinnen musste, was es erschwert in das Abgeordnetenhaus einzuziehen. Für die Ermittlung der Sonntagsfrage für Berlin fallen beide Punkte allerdings nicht ins Gewicht.

Balkendiagramm mit prozentualen Hinzugewinnen und Verlusten der großen Parteien in Berlin.
Gewinner und Verlierer der Berliner Sonntagsfrage im Vergleich zu den zurückliegenden Abgeordnetenhauswahlen.

Blick zurück: Die Zuverlässigkeit der Sonntagsfrage für Berlin vor den letzten Wahlen

Sonntagsfrage für Berlin vor der Abgeordnetenhauswahl 2016

2016 war die Sonntagsfrage für Berlin in den zwei Wochen vor der Wahl sehr präzise. Die SPD gewann die Abstimmung mit 21,6 Prozent der Stimmen. Sie stand in den Umfragen bei 21 bis 24 Prozent. Die CDU landete mit 17,6 Prozent auf Platz 2. Ihr Ergebnis in der Sonntagsfrage hatte zwischen 17 und 19 Prozent geschwankt.

Platz 3 ging knapp an die Linkspartei. Sie gewann 15,6 Prozent der Stimmen. Die Vorhersagen hatten sie bei 14 bis 15 Prozent gesehen. Platz 4 erreichten die Grünen mit 15,2 Prozent. Ihre Umfragen lagen bei 15 bis 18 Prozent.

Platz 5 sicherte sich die erstmals angetretene AfD mit 14,2 Prozent. Ihre Vorhersagen bewegten sich zwischen 13 und 14 Prozent. Berlin war das erste Bundesland, indem die Sonntagsfrage für die AfD ihr tatsächliches Ergebnis einigermaßen präzise vorhersagte und nicht deutlich zu niedrig lag.

Ebenfalls in den Berliner Landtag einziehen konnte die FDP. Sie erreichte 6,7 Prozent der Stimmen. Die Prognosen für die Liberalen lagen zwischen 5 und 6,7 Prozent.

Sonntagsfrage für Berlin vor der Abgeordnetenhauswahl 2011

Auch 2011 siegte die SPD. Mit 28,3 Prozent lag sie allerdings vor den Vorhersagen in den zwei Wochen vor der Wahl. Diese bewegten sich zwischen 29,5 und 31 Prozent. Die CDU war leicht besser als die Prognosen Glauben machen wollten. Sie gewann 23,3 Prozent der Stimmen. Die Umfragen lagen bei 21 bis 22 Prozent.

Die Umfragen für die Linke waren dagegen sehr genau. Sie bewegten sich zwischen 11 und 12 Prozent. Tatsächlich konnte die Partei 11,7 Prozent erreichen. Für die Grünen waren die Vorhersagen dagegen einen Hauch zu hoch. Sie lagen zwischen 18 und 20 Prozent. Tatsächlich kamen die Grünen auf 17,6 Prozent.

Schwierigkeiten hatten die Institute mit den Piraten, die ebenfalls ins Abgeordnetenhaus einzogen. Die Prognosen bewegten sich zwischen 4 und 9 Prozent. Die Partei kam auf 8,9 Prozent. Die 1,8 Prozent der FDP sagten die Institute dagegen mit 2 bis 3 Prozent relativ zuverlässig vorher.

Sonntagsfrage für Berlin vor der Abgeordnetenhauswahl 2006

Auch 2006 war die Sonntagsfrage für Berlin relativ präzise. Die SPD gewann 30,8 Prozent der Stimmen. In den Umfragen in den zwei Wochen vor der Wahl lag sie zwischen 31 und 33 Prozent. Die CDU auf Platz 2 gewann 21,3 Prozent der Stimmen. Die Vorhersagen hatten sie bei 20 bis 22 Prozent gesehen.

Etwas zu stark wurde dagegen die Linke eingeschätzt. Ihre Vorhersagen bewegten sich zwischen 15 und 17 Prozent. Die Partei kam tatsächlich auf 13,4 Prozent. Treffend waren die Vorhersagen dagegen für Grüne und FDP. Die Umfragen für die Grünen lagen zwischen 13 und 14 Prozent. Die Partei kam auf 13,1 Prozent. Die FDP bewegte sich in den Prognosen zwischen 8 und 9 Prozent und erreichte tatsächlich 7,6 Prozent.

Die Sonntagsfrage für Berlin für ältere Wahlen

Bei älteren Wahlen war das Bild ähnlich. Insgesamt war die Sonntagsfrage für Berlin relativ zuverlässig. Es gab allgemein nur die Tendenz, die SPD und die Grünen als etwas zu stark einzuschätzen.

Sonntagsfrage für Berlin zwischen den Wahlen

Die Sonntagsfragen zwischen den Wahlen weisen häufig eine hohe Spannbreite auf, was sie eher unzuverlässig macht. Dies gilt insbesondere für die SPD, die wiederholt innerhalb von ein bis zwei Wochen um fünf Prozent steigt und fällt. Die AfD schwankt zwischen den Wahlen ähnlich intensiv. Am 4.7.2016 sah sie beispielsweise Forsa bei 8 Prozent. 3 Tage später prognostizierte INSA 14 Prozent. Durch diese hohen Schwankungen innerhalb kürzester Zeit lässt sich die tatsächliche politische Stimmung kaum ermessen.

Diese Institute erheben regelmäßig die Sonntagsfrage in Berlin

  • Forsa: Das Institut arbeitet vornehmlich für die Berliner Zeitung und war in der Vergangenheit am schlechtesten, was die Zuverlässigkeit angeht. Die SPD ist traditionell deutlich zu stark, die AfD dagegen zu schwach.
  • INSA: Das Institut arbeitet für die Bild, die B.Z. und Cicero. Seine Vorhersagen haben sich als zuverlässig erwiesen.
  • Infratest dimap: Das Haus ist für das Erste sowie für einige regionale Medien tätig. Seine Sonntagsfrage war in der Vergangenheit relativ zuverlässig. Die CDU war meist einen Hauch zu stark.
  • Forschungsgruppe Wahlen: Das für das ZDF tätige Institut ist relativ zuverlässig. Die SPD ist allerdings häufig einen Hauch zu stark.

Insgesamt auffällig ist, dass in Berlin, verglichen mit anderen Bundesländern, überproportional häufig eine Sonntagsfrage erhoben wird. Dies dürfte vor allem daran liegen, dass viele Medien ebenso wie zahlreiche Institute direkt in der Bundeshauptstadt ansässig sind. Die Zuverlässigkeit der meisten Sonntagsfragen dürfte sich so auch durch einen gewissen „Übungseffekt“ eingespielt haben.

Fazit: Die Sonntagsfrage für Berlin vor der Wahl ist zuverlässig

Insgesamt gilt, dass die Sonntagsfrage für Berlin in den Wochen direkt vor der Wahl ein zuverlässiger Indikator für das spätere Ergebnis ist. Dabei spielt es keine Rolle, welches Institut die Prognose erstellt. Anders ist es in der Zeit zwischen den Wahlen. Hier gibt es innerhalb von kurzer Zeit extrem starke Schwankungen für einzelne Parteien. Dies spricht für unzuverlässige Erhebungen.