Sonntagsfrage Brandenburg

Sonntagsfrage in Brandenburg: Ein Überblick über die Vorhersagen vor den Wahlen

Ein Balkendiagramm zeigt die aktuellen Umfragewerte zur Landtagswahl in Brandenburg.
Aktuelle Umfragewerte der Sonntagsfrage für Brandenburg im Balkendiagramm.

Brandenburg ist eine Hochburg der SPD. Seit der Wiedervereinigung wurden die Sozialdemokraten bei jeder Wahl die stärkste Partei. Auch in der Sonntagsfrage für Brandenburg war die SPD stets oben auf. Bislang schnitt sie in allen Umfragen zur politischen Stimmung im Land stets am besten ab. Allgemein sind diese Erhebungen für das ostdeutsche Bundesland in der Vergangenheit verhältnismäßig genau gewesen.

Ein Balkendiagramm mit prozentualen Gewinnen und Verlusten der aktuellen Sonntagsfrage in Brandenburg.
Gewinner und Verlierer der aktuellen Umfragen zur Sonntagsfrage bei den Landtagswahlen im Vergleich zu den vergangenen Landtagswahlen.

Einige Besonderheiten im brandenburgischen Wahlrecht

Erstaunlich ist der Befund durchaus, dass die Sonntagsfrage für Brandenburg in der Vergangenheit relativ präzise war. Denn das Wahlrecht des Landes kennt einige Besonderheiten, welche die Umfragen zu verfälschen vermögen. Beispielsweise gibt es ein verfassungsrechtlich gesichertes Ausländerwahlrecht. Das Wahlalter beginnt zudem bei 16 Jahren. Due sorbische Minderheit ist überdies von der Fünf-Prozent-Hürde ausgenommen. All diese Faktoren lassen sich in Erhebungen zur politischen Stimmung nur schwierig berücksichtigen.

Allerdings gibt es eine weitere Besonderheit, die das ein Stück weit ausgleicht. Die Zahl der Ausgleichsmandate ist nach oben und nach unten gedeckelt. Konkret bedeutet dies, dass die Zweitstimme mehr Gewicht hat. Das Wahlergebnis wird nicht durch eine überproportional starke oder schwache Erststimme verzerrt – und nach der Zweistimme („Welche Partei würden Sie wählen?“) wird in der Sonntagsfrage gefragt.

Ein Blick zurück: Die Sonntagsfrage für Brandenburg zwischen 2004 und 2014

Die Sonntagsfrage für Brandenburg vor der Landtagswahl 2014

Die SPD gewann die Landtagswahl 2014 mit 31,9 Prozent der Stimmen. In den Umfragen in den zwei Wochen vor der Wahl lag sie zwischen 31 und 33 Prozent. Ihr tatsächliches Ergebnis wurde so relativ genau vorhergesagt.

Die Wahlergebnisse in Brandenburg 2014 im Kontext der Sonntagsfrage in Brandenburg

Die CDU wurde dagegen etwas zu stark eingeschätzt. Sie erreichte 23 Prozent. Die Institute sahen sie in der Sonntagsfrage allerdings bei 24 bis 25 Prozent. Ein ähnliches Phänomen offenbarte sich bei der Linkspartei. Diese erreichte 18,6 Prozent. Die Prognosen sahen sie jedoch bei 20 bis 22 Prozent.

Spürbar zu schwach wurde dagegen die erstmals angetretene AfD eingestuft. Die Umfragen in den zwei Wochen vor der Wahl sahen sie bei 8 bis 9,5 Prozent. Tatsächlich gewann sie 12,2 Prozent der Stimmen. Für die Grünen war die Sonntagsfrage hingegen wieder ausgesprochen präzise: Die entsprechenden Vorhersagen schwankten zwischen 5,5 und 6,0 Prozent. Die Grünen kamen auf 6,2 Prozent.

Die Sonntagsfrage für Brandenburg vor der Landtagswahl 2009

Die SPD gewann die Landtagswahl 2009 mit 33 Prozent. In den Umfragen in den zwei Wochen vor der Wahl stand sie bei 32 bis 34 Prozent. Die Sonntagsfragen waren insgesamt also relativ präzise. Selbiges gilt für die Linke, die Platz 2 erreichte. Sie gewann 27,2 Prozent der Stimmen. Die Umfragen hatten sie bei 27 bis 28 Prozent gesehen.

Die CDU auf Rang 3 wurde dagegen zu stark eingeschätzt. Die Prognosen tippten auf 21 bis 22 Prozent. Tatsächlich gewann die Union 19,8 Prozent der Stimmen. Für Grüne und FDP war die Sonntagsfrage für Brandenburg hingegen zutreffend. Die Grünen gewannen 5,7 Prozent der Stimmen. Die Vorhersagen reichten von 4 bis 5 Prozent. Die FDP erreichte 7,2 Prozent. Ihre Umfragen lagen bei 7 Prozent.

Die Sonntagsfrage für Brandenburg vor der Landtagswahl 2004

Die Sonntagsfragen vor den Wahlen 2004 waren die schlechtesten von allen Erhebungen seit der Wiedervereinigung. Sie passte nur für die Linke. Diese landete auf Platz 2 und erreichte 28,0. In den zwei Wochen vor den Wahlen stand sie bei 27 bis 31 Prozent.

Die Wahlsiegerin SPD erreichte 31,9 Prozent der Stimmen. Die Umfragen hatten sie im Zuge der Agenda 2010-Proteste mit 27 bis 29 Prozent deutlich zu schlecht gesehen. Die CDU, die auf 23 bis 24 Prozent in den Vorhersagen kam, wurde dagegen spürbar zu stark eingestuft. Tatsächlich erreichte die Union 19,4 Prozent.

FDP und Grüne hätten mit 5 bis 6 Prozent der Stimmen laut der Prognosen den Sprung in den Landtag schaffen müssen. Tatsächlich erreichten beide Parteien nicht einmal 4 Prozent.

Die Sonntagsfrage für Brandenburg als Indikator für die politische Stimmung?

Auffällig ist, welche Fallhöhe die Sonntagsfrage in Brandenburg zwischen den Landtagswahlen hat. Die SPD erreichte in Umfragen 2007 und 2008 sogar zwischenzeitlich 40 Prozent. Die Linke stand noch im Frühjahr 2014 bei 25 Prozent in den Umfragen. Die AfD, die neun Monate später über 12 Prozent erreichte, wurde damals mit 3 Prozent eingestuft. Die CDU steht in fast jeder Sonntagsfrage zwischen den Wahlem über ihrem vorherigen und ihrem nächsten Wahlergebnis.

Als Indikatoren für eine aktuelle politische Stimmung scheinen die Sonntagsfragen deshalb nur bedingt geeignet zu sein. Sie geben bestenfalls über Tendenzen Auskunft. Doch zeigen gerade die Verzerrungen bei der Linken und der AfD, dass es diesbezüglich erhebliche Unsicherheiten gibt.

Erhebung der Sonntagsfrage: Die wichtigsten Institute

  • Infratest dimap: Das Institut arbeitet für regionale Medien und die ARD. Seine Prognosen sind relativ präzise.
  • Forschungsgruppe Wahlen: Das für das ZDF arbeitende Institut sieht CDU, SPD und Linke zu stark. Die AfD wirkt dagegen spürbar zu schwach eingestuft.
  • Forsa: Das Institut arbeitet vor allem für regionale Medien. Die SPD ist traditionell deutlich zu stark.
  • Emnid: Das Institut erhebt die Sonntagsfrage in Brandenburg direkt für den Landesverband der Linken. Linke, SPD und Grüne erscheinen in diesen Umfragen stets etwas zu stark.

Fazit zur Sonntagsfrage in Brandenburg: Die SPD hat die stärkste Stammwählerschaft

Auffällig ist bei der Sonntagsfrage für Brandenburg zweierlei. Erstens hat der Wahlkampf erheblichen Einfluss. Die Umfragen kippen regelmäßig in den Wochen vor der Wahl und werden relativ präzise. Zweitens scheint die SPD die stärkste Stammwählerschaft im Land zu besitzen, ist sie doch die einzige Partei, die bislang stets mehr als 30 Prozent holte. Der Aufstieg der AfD besitzt allerdings das Potenzial, hier für deutliche Änderungen zu sorgen.