Sonntagsfrage Bremen

Am 26. Mai 2019 findet die nächste Landtagswahl in Deutschlands kleinstem Bundesland Bremen statt. An der Weser wird diese Abstimmung als „Bürgerschaftswahl“ bezeichnet. Die Hansestadt ist traditionelle Hochburg der SPD. Seit dem Zweiten Weltkrieg stellten die Sozialdemokraten stets die stärkste Fraktion. Insgesamt lagen die linken Parteien stets deutlich vor dem bürgerlichen Lager.

Besonderheiten des Bremer Wahlrechts: Die Rolle von Bremerhaven

Das Bremer Wahlrecht weist zwei Besonderheiten auf. Erstens dürfen seit 2011 alle Personen, die das 16. Lebensjahr vollendet haben, abstimmen. Die Wesermetropole war das erste deutsche Bundesland, das einen entsprechenden Schritt unternommen hat.

Zweitens besteht das Land Bremen, obgleich gemeinhin als Stadtstaat bezeichnet, aus zwei Städten: Bremen sowie das etwa 50 Kilometer nördlich gelegene Bremerhaven. Die Städte bilden getrennte Wahlbereiche, was bedeutet, dass auch die Fünf-Prozent-Klausel getrennt gilt.

Konkret bedeutet das: Wenn eine Partei in einer Städte die Hürde nimmt, muss sie wenigstens mit einem Abgeordneten in der Bürgerschaft (Landtag) vertreten sein. In der Vergangenheit nutzten die Republikanker diese Besonderheit des Wahlrechts häufiger. Sie erreichten in Bremerhaven mehr als fünf Prozent der Stimmen.

Sonntagsfrage historisch: Wie genau waren die Umfragen in der Vergangenheit?

Sonntagsfrage in Bremen vor der Bürgerschaftswahl 2015

Der letzte Bremer Landtag wurde am 10. Mai 2015 gewählt. Die SPD erreichte 32,8 Prozent der Stimmen. Die CDU kam auf 22,4 Prozent. Die Grünen erhielten 15,1 Prozent. Die Linke kam auf 9,5 Prozent. Die FDP erreichte 6,6 Prozent. Die erstmals angetretene AfD schaffte mit 5,5 Prozent ebenfalls den Einzug in die Bürgerschaft.

Die Sonntagsfrage im Vorfeld der Wahl erwies sich insgesamt als relativ zuverlässig. Die CDU schwankte zwischen 22 bis 23 Prozent. Die Grünen kamen auf 15 bis 16 Prozent. Lediglich INSA sah sie bei 12 Prozent und damit deutlich zu schwach. Die FDP schwankte zwischen 5 und 6 Prozent. Die Vorhersagen für die Linke lagen zwischen 8 und 9 Prozent. Lediglich Infratest dimap sah sie mit 6 Prozent deutlich zu schwach. Die AfD lag allgemein bei 5 Prozent und damit sehr präzise am tatsächlichen Wahlergebnis. Einziger deutlicher Ausreißer in der Sonntagsfrage für Bremen vor der letzten Wahl war die SPD: Mit 36 bis 38 Prozent wurde sie deutlich zu stark eingeschätzt.

Sonntagsfrage in Bremen vor der Bürgerschaftswahl 2011

Die SPD kam bei den Wahlen 2011 auf 38,6 Prozent. Die CDU erreichte 20,4 Prozent. Die Grünen gewannen 22,5 Prozent der Stimmen. Die Linke schaffte mit 5,6 Prozent ebenfalls den Einzug in die Bürgerschaft. Die FDP scheiterte mit 2,4 Prozent hingegen an der Fünf-Prozent-Hürde.

Die Vorhersagen in Gestalt der Sonntagsfrage für Bremen waren quer durch alle Institute relativ genau. Die SPD schwankte zwischen 36 und 38 Prozent. Die CDU kam auf 19 bis 23 Prozent. Die Grünen lagen bei 22 bis 24 Prozent. Die Linke lag bei 6 bis 7 Prozent. Tendenziell wurden alle Parteien etwas zu stark eingeschätzt.

Sonntagsfrage in Bremen vor der Bürgerschaftswahl 2007

Die SPD gewann die Wahlen 2007 mit 36,7 Prozent der Stimmen. Die CDU erreichte 25,6 Prozent. Die Grünen kamen auf 16,5 Prozent der Stimmen. 8,4 Prozent der Wähler votierten für die Linke. 6,0 Prozent stimmten für die FDP.

Die Sonntagsfrage für Bremen im Vorfeld der Wahl war sehr ungenau. Die SPD schwankte in den Umfragen zwischen 38 und 42 Prozent und lag damit deutlich über ihrem tatsächlichen Ergebnis. Ähnlich galt für die CDU: Sie kam in den Vorhersagen auf 26 bis 28 Prozent. Die Grünen wurden mit 14 bis 16 Prozent zu schwach eingestuft. Die Linke lag mit 4 bis 5,5 Prozent deutlich zu schwach. Lediglich die Prognosen für die FDP mit 5 bis 6 Prozent passten.

Die Genauigkeit der Sonntagsfrage für Bremen bei früheren Wahlen

Insgesamt tat sich die Sonntagsfrage für Bremen in der Vergangenheit schwer, belastbare Prognosen zu liefern – quer durch alle Institute. Insbesondere die Werte für die großen Partien sind häufig falsch. Vor der Bürgerschaftswahl 2003 lagen die Sozialdemokraten in der Sonntagsfrage beispielsweise vier bis fünf Prozent zu schlecht. Zuvor war das Bild ähnlich. Die CDU lag vor der Wahl 2003 dagegen 6 bis 8 Prozent zu stark. Relativ zuverlässig sind dagegen die Werte für die kleinen Parteien.

Welche Institute erheben eine Sonntagsfrage in Bremen?

Folgende Meinungsforschungsinstitute ermitteln häufig eine Sonntagsfrage in Bremen:

  • INSA: Das Institut arbeitet im Auftrag der BILD. CDU und SPD schneiden traditionell zu stark ab. Die Grünen sind dafür zu schwach.
  • Infratest dimap: Das Institut arbeitet für die Bremer Regionalmedien Weser Kurier sowie Radio Bremen sowie für das Erste. In der Vergangenheit waren die Vorhersagen relativ zuverlässig. Lediglich die SPD lag in der Sonntagsfrage vor der Wahlen 2015 deutlich zu hoch.
  • Forschungsgruppe Wahlen: Das Meinungsforschungsinstitut des ZDF war in der Vergangenheit sehr zuverlässig. Es lag in der Regel maximal um 1,5 Prozent falsch.
  • Emnid: Das für den Focus arbeitende Institut bewertet die CDU zu stark und die SPD zu schwach. Grüne, FDP und Linke schneiden ebenfalls eher zu stark ab.
  • FGW Telefonfeld/ pollytix: FGW Telefonfeld arbeitet für den Landesverband der CDU, pollytix ist für die SPD tätig. Beide sehen ihre Auftraggeber eher zu stark.

Fazit: Die Sonntagsfrage in Bremen ist nicht immer leicht einzuschätzen

Traditionell ist die Sonntagsfrage für Bremen für die kleinen Parteien relativ zuverlässig. Mit CDU und SPD tun sich die Institute hingegen schwer. Vor der Bürgerschaftswahl 2015 waren die Werte für die CDU jedoch erstmals relativ präzise. Komplett falsch wurde dagegen die SPD eingeschätzt. Seit der in der Stadt sehr beliebte Bürgermeister Hennig Scherf (trat 2005 zurück) die Sozialdemokraten nicht mehr führt, ist es schwer zu ermessen, wie die Partei in Bremen gesehen wird.