Sonntagsfrage Hamburg

Sonntagsfrage Hamburg: Über die Vorhersagen der politischen Stimmung an der Elbe

Ein Balkendiagramm zeigt die aktuellen Umfragewerte der Sonntagsfrage für Hamburg.
Aktuelle Umfrageergebnisse der Sonntagsfrage für Hamburg (Bürgerschaftswahlen)

Hamburg ist eine traditionelle Hochburg der SPD. Seit 1919 gewannen die Sozialdemokraten 26 der 33 Wahlen (Stand: 2018). Die anderen Parteien schwankten hingegen stark in der Wählergunst. Die Sonntagsfrage für Hamburg hatte damit in der Vergangenheit wiederholt zu kämpfen. Die Fallhöhe einzelner Partien zwischen den Instituten ist teilweise immens.

Ein Balkendiagramm zeigt die Gewinner und Verlierer der Sonntagsfrage in Hamburg.
Gewinner und Verlierer in Hamburg – Balkendiagramm basierend auf aktuellen Umfragen der Sonntagsfrage.

Besonderheiten des hamburgischen Wahlrechts

Der Landtag Hamburgs wird als Bürgerschaft bezeichnet. Entsprechend heißen die Abstimmungen statt Landtagswahlen auch Bürgerschaftswahlen. Im Jahr 2013 wurde das aktive Wahlrecht auf 16 Jahre gesenkt. Das passive Wahlrecht liegt weiterhin bei 18 Jahren. Seit 2015 beträgt die Legislaturperiode in Hamburg 5 Jahre.

Seit 2009 sind Änderungen am Wahlrecht zudem nur noch mit Zweidrittel-Mehrheit möglich. 2,5 Prozent der Hamburger können durch Unterschriften überdies einen Volksentscheid über die Änderungen verlangen. Aus der Bevölkerung können ebenfalls mindestens 2,5 Prozent der Wahlberechtigten eine eigene Änderung zur Abstimmung durch einen entsprechenden Entscheid vorlegen.

Blick zurück: Sonntagsfrage für Hamburg historisch

Sonntagsfrage für Hamburg vor der Bürgerschaftswahl 2015

Die SPD gewann die Bürgerschaftswahl 2015 mit 45,6 Prozent der Stimmen. Sie profitierte von der Popularität des damaligen Oberbürgermeisters Olaf Scholz. Die CDU kam auf 15,9 Prozent. Die Grünen landeten bei 12,3 Prozent. Die Linke erreichte 7,4 Prozent. Die FDP mit 7,4 Prozent sowie die erstmals angetretene AfD mit 6,1 Prozent schafften ebenfalls den Einzug in die Bürgerschaft.

Die Sonntagsfrage für Hamburg war in diesem Jahr quer durch alle Institute schwach. Die SPD schwankte in den letzten vier Wochen vor der Wahl zwischen 42 und 47 Prozent. Die CDU lag mit 17 bis 22,6 Prozent deutlich zu hoch. Die Grünen kamen auf 11 bis 15 Prozent. Die AfD war mit 2,9 bis 6 Prozent durch die Bank zu schwach. Gleiches galt für die FDP mit 2,8 bis zu 6 Prozent. Die Prognosen für die Linke waren mit 7 bis 9,5 Prozent akzeptabel.

Sonntagsfrage für Hamburg vor der Bürgerschaftswahl 2011

2011 musste die Bürgerschaft vor der Zeit aufgelöst werden. Es kam zu Neuwahlen. Die SPD gewann die Wahl 2011 mit 48,4 Prozent der Stimmen. Die CDU erreichte 21,9 Prozent. Die Grünen (damals noch GAL) kamen auf 11,2 Prozent. Die FDP erreichte 6,7 Prozent. Die Linke kam auf 6,4 Prozent.

Die Sonntagsfrage für Hamburg erwies sich auch dieses Mal als nicht sonderlich zuverlässig. Die SPD lag in den zwei Wochen vor der Wahl mit 43 bis 46 Prozent in den Umfragen deutlich zu schwach. Die CDU wurde mit 23 bis 25 Prozent hingegen zu stark eingeschätzt. Gleiches galt für die Grünen, die auf 14 bis 15 Prozent in den Prognosen kamen. Die FDP wurde durch die Bank bei 5 Prozent gesehen. Die Linke erreichte stets 6 Prozent. Teilweise wurde die Sonntagsfrage dabei nur drei Tage vor der Wahl erhoben.

Sonntagsfrage für Hamburge vor der Bürgerschaftswahl 2008

2008 führte der populäre Oberbürgermeister Ole von Beust die Hamburger CDU in die Bürgerschaftswahlen. Die Union gewann die Abstimmung mit 42,6 Prozent. Die SPD kam auf 34,1 Prozent. Die Grünen erreichten 9,6 Prozent. Die Linke kam auf 6,4 Prozent. Die FDP scheiterte mit 4,8 Prozent an der Fünf-Prozent-Hürde.

Die Sonntagsfrage für Hamburg in der Woche vor der Wahl war relativ präzise. Die CDU kam auf 39 bis 42 Prozent und war etwas zu schwach. Die SPD erreichte zutreffende 34 bis 35 Prozent. Die Grünen wurden bei 9 bis 10 Prozent gesehen. Die Linke war mit 6 bis 8 Prozent in den Umfragen etwas zu stark. Die FDP kam auf 4 bis 5 Prozent.

Sonntagsfrage für Hamburg bei älteren Bürgerschaftswahlen

Hamburg war bei vorangegangen Wahlen anfällig für Kurzzeit-Phänomene. 2001 erreichte die „Schill“-Partei beispielsweise aus dem Stand 19,4 Prozent der Stimmen. Sie war in den Umfragen mit 14 bis 16 Prozent deutlich zu schwach. Dafür wurde die CDU zu stark eingeschätzt. Offenkundig gab es Wähler, die in den Umfragen CDU angaben, dann aber für die Schill-Partei stimmten.

Vier Jahre später drehte sich das Bild: Ronald Schill, inzwischen mit Pro DM fusioniert, trat zwar wieder an, war nach Skandalen jedoch in der politischen Stimmung abgestützt. In der Sonntagsfrage lag die die Partei, die 3,1 Prozent der Stimmen erreichen sollte, teilweise 1 bis 2 Prozent zu stark. Die CDU war in der Sonntagsfrage Hamburg hingegen 2 bis 3 Prozent zu schwach.

Zeitweilig lagen auch in die Piraten in der Sonntagsfrage sehr gut. Sie kletterten in den Umfragen bis auf 6,1 Prozent, schnitten in den Wahlen jedoch nie besser als 2,1 Prozent ab.

Diese Institute erheben regelmäßig die Sonntagsfrage in Hamburg

  • Forsa: Das Institut arbeitet für die Zeitungen des Springer-Verlags. Die SPD ist auffällig zu stark. Gleiches gilt für die Grünen.
  • Infratest dimap: Das Institut ist für ARD und NDR tätig. Die CDU ist in den Umfragen spürbar zu stark, die SPD dagegen zu schwach.
  • Forschungsgruppe Wahlen: Das für die ZDF tätige Institut ist relativ genau in den Vorhersagen. Tendenziell schneiden jedoch die großen Parteien in den Umfragen zu gut ab. FDP und Grüne sind dagegen etwas zu schwach.
  • Universität Hamburg: Die Forscher der Hochschule scheinen zu stark im akademischen Milieu zu erheben. Die SPD ist durchschnittlich 10 Prozent zu stark gegenüber sonstigen Instituten. Die Grünen schneiden ebenfalls deutlich zu stark ab. Die AfD liegt dagegen deutlich zu schwach. Fünf Tage vor den Bürgerschaftswahlen 2015 erreichte sie beispielsweise in der Sonntagsfrage Hamburg der Universität nur die Hälfte ihrer tatsächlichen Stimmen.

Fazit: Die Sonntagsfrage in Hamburg und personenbezogene Wahlen

Die Sonntagsfrage für Hamburg leidet darunter, dass die Stadt stark zu personenbezogenen Wahlen neigt. Dies zeigen die Erfolge von Olaf Scholz, Ole von Beust oder von Ronald Schill in den vergangenen 20 Jahren. Die CDU stürzte beispielsweise nach dem Abtritt von Beusts ab. Gleiches galt für die SPD, nachdem Henning Voscherau nicht mehr kandidierte. Die politische Stimmung lässt sich dann nur noch schwer prognostizieren, da offenbar auch die Bürger verunsichert sind, wie es weitergeht.