Sonntagsfrage Hessen

Am 28. Oktober 2018 wählt Hessen einen neuen Landtag. Das Bundesland gilt traditionell als politisches Versuchslabor innerhalb Deutschlands. Seit 2013 regiert beispielsweise die erste schwarz-grüne Koalition in einem deutschen Flächenland. Ob sich das Experiment bewährt hat, müssen die Wähler entscheiden. Grundsätzlich hat Schwarz-Grün in der politischen Stimmung zunehmend an Boden verloren. Dies liegt insbesondere an der CDU.

Zur Einschätzung: Die Wahlergebnisse der Hessischen Landtagswahlen 2013

Der letzte hessische Landtag wurde am 22. September 2013 gewählt. Die Abstimmung fand zeitgleich mit der Bundestagswahl statt. Die CDU erhielt 38,3 Prozent und gewann die Wahl. Die SPD, die vergeblichen versuchen sollte, ein rot-rot-grünes Bündnis zu schmieden, kam auf 30,7 Prozent. Platz 3 ging an die Grünen mit 11,1 Prozent der Stimmen. Die Linke erreichte 5,2 Prozent. Die FDP schaffte mit 5,0 Prozent ganz knapp den Einzug in den Landtag. Die AfD scheiterte mit 4,1 Prozent an der 5-Prozent-Hürde.

Sonntagsfrage Hessen Sommer 2018

Im Sommer 2018 sieht es so aus, als würden CDU und SPD deutlich an Stimmen verlieren. Die Union bewegt sich in der Sonntagsfrage für Hessen einhellig zwischen den einzelnen Instituten bei 31 Prozent. Die SPD schwankt zwischen 22 und 25 Prozent. Die Grünen erreichen 13 bis 14 Prozent, was leichte Zugewinne bedeuten würde. FDP und Linke kommen auf 7 bis 8 Prozent. Beide dürfen entsprechend ebenfalls auf Stimmgewinne hoffen. Die AfD steht in der Sonntagsfrage für Hessen zwischen 11 und 15 Prozent. Sie wird sicher den Sprung in den Landtag schaffen und möglicherweise sogar drittstärkste Partei.

Die Zahlen ähneln denen des Bundestrends. Die deutet daraufhin, dass die Hessen vor allem ihre Unzufriedenheit mit der in Berlin regierenden Großen Koalition ausdrücken. Ansonsten würde die CDU als Teil des Landesregierung nicht verlieren und die Grünen als der andere Teil dazu gewinnen.

Sonntagsfrage Hessen Sommer 2017

Im Sommer 2017 sah es für die beiden großen Parteien noch besser aus, wenn die Zahlen aber auch bereits vergleichbar waren. Die CDU lag zwischen 31 bis 32 Prozent. Die SPD erreichte damals zwischen 24 und 25 Prozent der Stimmen. Die Grünen standen bei 14 Prozent. FDP und Linke bewegten sich zwischen 5 und 8 Prozent. Die AfD kam 14 Prozent. Alle kleinen Parteien standen in den Umfragen noch etwas schlechter als im Sommer 2018 – auch dies deutet auf eine zunehmende Unzufriedenheit mit der Bundesregierung hin.

Sonntagsfrage Hessen Sommer 2016

Im Sommer 2016 waren die Zahlen noch spürbar anders. Die CDU lag zwischen 33 und 36 Prozent. Die SPD erreichte nach einhelliger Meinung 27 Prozent. Die Grünen lagen zwischen 11 und 13 Prozent. Die FDP bewegte sich zwischen 4 und 7 Prozent. Die Linke erreichte 6 Prozent und die AfD wäre auf 9 bis 10 Prozent der Stimmen gekommen.

Sonntagsfrage Hessen Sommer 2015

Diese Zahlen stehen unter dem Eindruck der ausbrechenden Flüchtlingskrise. Die CDU bekam zwischen 38 und 41 Prozent und erhielt damit viel Zuspruch. Die SPD bewegte sich zwischen 27 und 28 Prozent. Die Grünen standen bei 13 bis 14 Prozent. FDP und Linke bewegten sich zwischen 5 und 6 Prozent. Die AfD lag noch im Juli 2015 bei 2 Prozent und schnellte dann bis auf 12 Prozent.

Sonntagsfrage Hessen vor 2015

Vor dem Sommer 2015 waren die Zahlen stark vergleichbar. Die CDU bewegte sich seit der Landtagswahl zwischen 38 und 41 Prozent. Die SPD stand relativ konstant bei 27 Prozent. Die Grünen schwankten zwischen 12 und 16 Prozent. Die FDP lag bei 2 bis 6 Prozent. Die Linke bewegte sich konstant bei 7 Prozent. Die AfD stand zumeist bei 5 Prozent. Ihr Absturz auf 2 Prozent im Sommer 2015 erklärt sich aus ihrer Spaltung (Austritt von Bernd Lucke), die sich im Mai 2015 vollzog.

Von wem stammen die Umfragen und wie zuverlässig sind die Angaben?

Grundsätzlich sind die Umfragewerte für AfD stark schwankend. Dies ist ein Indiz, dass sich die Meinungsforschungsinstitute bei ihr unsicher sind. Es mag daran liegen, dass viele Personen in Befragungen nicht zugeben möchten, dass sie die AfD wählen, weil sie dies für ein sozial unerwünschtes Verhalten erachten. Die jüngsten Zahlen zur politischen Stimmung der SPD sind ebenfalls so stark schwankend, dass sie nur mit Vorsicht zu gebrauchen sind. Die Werte für CDU, Grüne, FDP und Linke sind hingegen konstant und dürften relativ zuverlässig sein.

Die befragenden Institute:

  • Infratest Dimap: Das Institut arbeitet vor allem für den Hessischen Rundfunk. Bei Ihr ist die AfD traditionell stärker als bei anderen Instituten. Dafür schneidet die SPD eher zu schlecht ab.
  • Forschungsgruppe Wahlen: Sie ist für die FAZ, das FFH und das ZDF tätig. In der Vergangenheit waren die Umfragen relativ zuverlässig. Lediglich die Werte für FDP und Linke waren etwas zu hoch.
  • INSA: Das Institut ist für die „Bild“ tätig. Die CDU ist bei diesem Haus im Vergleich etwas zu stark.
  • dimap: Dieses Institut hat mehrere Umfragen direkt im Auftrag der CDU erhoben. Entsprechend schnitt die Union bei dimap im Vergleich zu gut ab.
  • Forsa: Das Institut erhob Umfragen für die Frankfurter Neue Presse, den Stern, RTL und n-tv. CDU und Grüne sind im Vergleich etwas zu stark. SPD und AfD erscheinen dagegen etwas zu schwach.

Analyse: Hessen wird von der Bundespolitik beeinflusst

Die politische Stimmung bei der Sonntagsfrage in Hessen wird maßgeblich von der Bundespolitik beeinflusst. Bis zum Sommer 2015 waren die kleinen Parteien, abgesehen von den Grünen, relativ schwach. Die großen Parteien konnten sich dagegen behaupten. Nach Ausbruch der Flüchtlingskrise begann der Aufstieg der AfD in den Umfragen. CDU und SPD verloren zudem zunehmend an Stimmen. Drastisch wurden diese Verluste erst 2017. Insbesondere die SPD schmierte jetzt in den Umfragen ab. Dies deutet auf eine Unzufriedenheit mit der Fortsetzung der Großen Koalition im Bund hin, da die Sozialdemokraten dies erst abgelehnt hatten, um dann eine Kehrtwende zu vollziehen. Hessen dürfte insgesamt fragmentierter als je zuvor in seiner Geschichte wählen und sich für ein Sechs-Parteien-Parlament entscheiden.