Sonntagsfrage Niedersachsen

Sonntagsfrage Niedersachsen: Ein Überblick über die Zuverlässigkeit der Messung der politischen Stimmung

Niedersachsen gehört zu den größten deutschen Bundesländern. Landtagswahlen hier haben deshalb stets auch den Charakter einer „kleinen“ Bundestagswahl. Der Sonntagsfrage für Niedersachsen kommt entsprechend eine große Bedeutung zu, ist sie doch der Indikator für die politische Stimmung im Nordwesten der Republik. Die Wahlergebnisse der Landtagswahlen in Niedersachsen zeigen, dass sich die entsprechenden Vorhersagen als relativ zuverlässig erwiesen, jedoch mit einigen namhaften Ausnahmen.

Niedersächsische Wahlrecht ohne Einfluss auf die Zuverlässigkeit der Sonntagsfrage

Das niedersächsische Wahlrecht kennt keine nennenswerten Besonderheiten. Es nimmt so keinen Einfluss auf die Zuverlässigkeit der Sonntagsfrage. Gewählt wird nach dem klassischen Zwei-Stimmen-System. Seit 1959 gibt es die Fünf-Prozent-Hürde.

Zu berücksichtigen ist allerdings eine andere Besonderheit: Niedersachsen war lange Stammland der CDU, fiel unter Gerhard Schröder dann für geraume Zeit an die SPD und ist inzwischen klassisches Wechselwähler-Land. In den Umfragen ist dies nur schwer zu fassen.

Blick zurück: Sonntagsfrage für Niedersachsen bei vorherigen Wahlen

Sonntagsfrage für Niedersachsen vor den Landtagswahlen 2017

2017 musste der Landtag etwa sechs Monate vor der Zeit aufgelöst werden, weil Rot-Grün die Mehrheit einbüßte. Die Abstimmung fand wenige Wochen nach der Bundestagswahl statt und stand deshalb unter besonderer Beobachtung deutschlandweit.

Die SPD gewann die Wahl überraschend klar mit 36,9 Prozent der Stimmen. Ihre Umfragen bewegten sich in den zwei Wochen vor der Wahl zwischen 33 und 34,5 Prozent und waren damit doch deutlich zu schwach. Deutlich besser passten die Vorhersagen für die CDU: Diese reichten von 32 bis 34 Prozent. Tatsächlich gewann die Union 33,6 Prozent der Stimmen.

Platz 3 ging an die Grünen mit 8,7 Prozent der Stimmen. Auch hier passte die Sonntagsfrage in etwa: Die Umfragen bewegten sich zwischen 8,5 und 10,0 Prozent. Platz 4 ging an die FDP. Hier waren die Vorhersagen mit 8 bis 10 Prozent insgesamt zu hoch. Die Liberalen gewannen 7,5 Prozent der Stimmen.

Die erstmals angetretene AfD schaffte mit 6,2 Prozent ebenfalls den Einzug in den Landtag. Ihre Umfragen waren mit 7 bis 8 Prozent auch etwas zu hoch. Die Linke scheiterte mit 4,6 Prozent dagegen an der Fünf-Prozent-Hürde. Mit 4,5 bis 5,0 Prozent waren die Prognosen durchaus zutreffend.

Sonntagsfrage für Niedersachsen vor den Landtagswahlen 2013

2013 war die Sonntagsfrage für Niedersachsen vor allem für das bürgerliche Lager sehr schlecht. Die CDU stand in den zwei Wochen vor der Wahl bei 38 bis 41 Prozent, gewann aber nur 36,0 Prozent. Die FDP bewegte sich in den Vorhersagen bei 4,5 bis zu 5,0 Prozent. Sie erreichte aber tatsächlich 9,9 Prozent. Offensichtlich hatte sie massiv sogenannte „Leihstimmen“ von eigentlichen CDU-Wählern bekommen, die befürchteten, dass die Liberalen aus dem Parlament ausscheiden würden. Dadurch wäre die bisherige schwarz-gelbe Landesregierung zerbrochen.

Tatsächlich kam es durch die Schwäche der CDU und die Stärke der FDP aber doch genau dazu. Die SPD erreichte 32,6 Prozent. Die Prognosen hatten sie bei 31,5 und 33 Prozent gesehen. Die Grünen kamen auf 13,7 Prozent der Stimmen. Ihre Umfragen bewegten sich zwischen 13 und 14,5 Prozent. Rot-Grün war so knapp (eine Stimme im Landtag) stärker als Schwarz-Gelb. Dabei profitierten SPD und Grüne davon, dass alle sonstigen Parteien deutlich den Einzug in den Landtag verfehlten.

Sonntagsfrage für Niedersachsen vor den Landtagswahlen 2008

Die Sonntagsfrage für Niedersachsen war vor den Landtagswahlen 2008 für beide großen Parteien nicht sonderlich zuverlässig. In den zwei Wochen vor der Abstimmung stand die CDU bei 44 bis 46 Prozent. Tatsächlich wurden es 42,5 Prozent. Der SPD wurden 33 bis 34 Prozent prognostiziert. Tatsächlich erreichten die Sozialdemokraten 30,3 Prozent.

Besser war es bei den kleineren Parteien – abgesehen von der Linken. Die Grünen standen in den Umfragen bei 7 Prozent und gewannen tatsächlich 8,0 Prozent. Die FDP bewegte sich in den Prognosen ebenfalls bei 7 Prozent und erreichte 8,2 Prozent. Der Linkspartei wurden 5 Prozent vorhergesagt. Mit 7,1 Prozent schnitt sie also deutlich besser als erwartet ab.

Sonntagsfrage für Niedersachsen bei vorherigen Wahlen

Bei vorherigen Wahlen war die Sonntagsfrage für Niedersachsen sehr zuverlässig. In den zwei Wochen vor der Abstimmung 2003 lagen die Prognosen beispielsweise maximal um 1,1 Prozent daneben. Die Werte für CDU und SPD wurden um nur 0,3 bzw. 0,4 Prozent korrekt vorausgesagt.

Sonntagsfrage für Niedersachsen zwischen den Wahlen: Ein zuverlässiger Indikator der politischen Stimmung?

Überwiegend ist die Sonntagsfrage für Niedersachsen zwischen den Wahlen ein zuverlässiger Indikator für die politische Stimmung im Nordwesten der Republik. Es gibt kaum große Ausschläge bei einzelnen Parteien innerhalb weniger Wochen. Einzig bei der SPD war dies in der Vergangenheit durchaus der Fall.

Diese Institute erheben regelmäßig die Sonntagsfrage für Niedersachsen:

  • Forschungsgruppe Wahlen (für das ZDF): Die SPD ist tendenziell zu niedrig. Ansonsten stimmen die Werte.
  • INSA (für die Bild): Die CDU ist oft zu stark die SPD erscheint häufig etwas zu schwach.
  • Infratest dimap (für NDR und ARD): SPD und Grüne erscheinen oft etwas zu schwach. Zwischen den Wahlen wird die CDU häufig zu stark dargestellt.
  • Forsa (für die SPD): Die Angaben haben sich als relativ zuverlässig erwiesen.
  • dimap (für die CDU): Die CDU erscheint deutlich zu stark.

Fazit: Die Stammwählerschaften in Niedersachsen bröckeln

In Niedersachsen gibt es verglichen mit anderen Bundesländern noch relativ starke Stammwählerschaften von SPD und CDU, die beide bei etwa 30 Prozent zu liegen scheinen. Doch diese bröckeln langsam, womit die Sonntagsfrage für Niedersachsenspürbar zu kämpfen hat. Noch können die Institute nicht zuverlässig vorhersagen, wohin sich einzelne Wählergruppen bewegen. Insbesondere potenzielle CDU-Wähler neigen augenscheinlich dazu, sich kurzfristig umzuentscheiden.