Sonntagsfrage NRW

Sonntagsfrage Nordrhein-Westfalen: Ein Überblick über die Messung der politischen Stimmung

Darstellung der Umfragewerte zur Sonntagsfrage NRW als Balkendiagramm
Balkendiagramm mit aktuellen Werten der Sonntagsfrage für NRW (Landtagswahlen)

Nordrhein-Westfalen ist das größte Bundesland Deutschlands. Abstimmungen dort kommt so automatisch die Bedeutung einer „kleinen Bundestagswahl“ zu. Die Sonntagsfrage für Nordrhein-Westfalen hat ein entsprechend ein ähnliches großes Gewicht. In der Vergangenheit war sie mit Blick auf die Wahlergebnisse in NRW zumeist zuverlässig, allerdings bereiten die Werte für CDU und FDP oft Probleme.

Darstellung der Zugewinne und Verluste als Balkendiagramm (Sonntagsfrage zu Landtagswahlen in NRW)
Darstellung der Zugewinne und Verluste bei der Sonntagsfrage NRW entsprechend aktueller Umfragen.

Besonderheiten des Wahlrechts für Nordrhein-Westfalen ohne Bedeutung für Sonntagsfrage

Das Wahlrecht des größten Bundeslands kennt einige Besonderheiten. Allerdings sind diese für die Zuverlässigkeit der Sonntagsfrage für Nordrhein-Westfalen ohne Bedeutung. Liegt ein Wahlkreissitzanteil beispielsweise über 70 Prozent, muss es zwingend ein Überhangmandat geben. Dies bevorzugt bei der tatsächlichen Sitzverteilung Parteien mit einem hohen Anteil an Erststimmen, ist für die politisches Stimmung aber nicht von Relevanz. Gleiches gilt für die Besonderheit, dass Landeslisten nur von Parteien und nicht von Wählergruppen eingereicht werden dürfen.

Blick zurück: Zuverlässigkeit der Sonntagsfrage für Nordrhein-Westfalen vor den letzten Wahlen

Sonntagsfrage für Nordrhein-Westfalen vor den Wahlen 2017

Die Sonntagsfrage für Nordrhein-Westfalen war vor den Wahlen 2017 insgesamt sehr präzise. Die CDU lag in den Umfragen zwei Wochen vor der Abstimmung bei 30 bis 32 Prozent. Tatsächlich erreichte sie 33 Prozent. Die SPD auf Platz 2 bewegte sich zwischen 30 und 33 Prozent und kam tatsächlich auf 31,2 Prozent.

Platz 3 ging an die FDP. Die Liberalen gewannen 12,6 Prozent der Stimmen. In den Umfragen lagen sie zwischen 9 und 13,5 Prozent. Anschließend folgte die erstmals angetretene AfD. Ihre Vorhersagen lagen zwischen 6 und 9 Prozent. Tatsächlich kam sie auf 7,4 Prozent.

Auch die Grünen schafften den Einzug in den Landtag. Sie gewannen 6,4 Prozent der Stimmen. Ihre Prognosen lagen zwischen 6,5 und 7 Prozent.

Sonntagsfrage für Nordrhein-Westfalen vor den Wahlen 2012

2012 musste der Landtag vorzeitig aufgelöst werden. Es kam zu Neuwahlen. Die SPD gewann diese mit 39,1 Prozent der Stimmen. Ihre Umfragen lagen in den 14 Tagen vor der Wahl zwischen 37 und 38 Prozent, was ein akzeptabler Fehlerradius ist. Komplett falsch waren dagegen die Prognosen für die CDU. Diese bewegten sich zwischen 30 und 33 Prozent. Tatsächlich erreichte die Union jedoch nur 26,3 Prozent.

Für die Grünen auf Platz 3 passten die Vorhersagen. Sie lagen zwischen 11 und 12 Prozent. Die Grünen kamen auf 11,3 Prozent. Schlechter waren die Prognosen hingegen für die FDP. Die Liberalen gewannen 8,6 Prozent der Stimmen. Vorhergesagt waren 5 bis 6 Prozent. Die Piraten schafften ebenfalls den Einzug in den Landtag mit einem Ergebnis von 7,8 Prozent. Die Umfragen waren mit 8 bis zu 8,5 Prozent durchaus zutreffend.

Sonntagsfrage für Nordrhein-Westfalen vor den Wahlen 2010

2010 gewann die CDU die Wahlen hauchdünn vor der SPD. Die Union erreichte 34,6 Prozent. Die Umfragen in der Woche vor der Wahl reichten von 35 bis 37 Prozent. Die Sozialdemokraten landeten bei 34,5 Prozent. Ihre Vorhersagen hatten sich zwischen 33 und 37 Prozent bewegt.

Ungefähr zutreffend waren die Prognosen für die Grünen auf Platz 3. Sie lagen bei 10 bis 12 Prozent. Tatsächlich gewann die Partei 12,1 Prozent der Stimmen. Für die FDP gilt ein ähnlicher Befund. Die Vorhersagen für die Liberalen schwankten zwischen 7 und 8 Prozent. Die Partei erreichte tatsächlich 6,7 Prozent. Auch die Linke schaffte den Einzug in den Landtag. Sie gewann 5,6 Prozent der Stimmen. Ihre Umfragen schwankten zwischen 5 und 7 Prozent.

Sonntagsfrage für Nordrhein-Westfalen bei vorherigen Wahlen

Bei vorherigen Wahlen war das Bild ähnlich. Die Sonntagsfrage für Nordrhein-Westfallen war insgesamt sehr zuverlässig. Die größten Schwankungen gab es bei CDU und FDP. Eine Ausnahme bildeten die Landtagswahlen 2000. In deren Vorfeld waren die Vorhersagen für die Sozialdemokraten zum Teil deutlich zu hoch.

Sonntagsfrage für Nordrhein-Westfalen zwischen den Wahlen

Zwischen den Wahlen hat sich die Sonntagsfrage in NRW als zuverlässiger Indikator der politischen Stimmung erwiesen. Ausnahme ist allerdings auch in diesem Fall die CDU: Innerhalb weniger Wochen schwanken ihre Umfragewerte extrem. Im März und April 2017 stand die Union beispielsweise bei 26 bis zu 34 Prozent. Immer wieder sind bei ihr solche starken Ausschläge zu beobachten. Nicht einmal die traditionell in Umfragen schwierig zu fassende AfD weist solche Ausschläge auf.

Diese Institute erheben regelmäßig eine Sonntagsfrage für Nordrhein-Westfalen

  • Infratest dimap: Das Institut ist für den WDR tätig. In der Vergangenheit war die CDU oft zu schwach, aber dafür die SPD zu stark.
  • Forschungsgruppe Wahlen: Die Vorhersagen des für das ZDF tätigen Instituts waren in der Vergangenheit relativ genau.
  • INSA: Das für die Bild tätige Institut sieht die CDU oft zu schwach, dafür die SPD zu stark.
  • Forsa: Das Institut ist in der Hauptsache für regionale Medien aktiv. Die CDU ist bei ihm deutlich zu schwach, die SPD dagegen viel zu stark.
  • YouGov: Das für Sat1 tätige Institut hat vor allem Mühe mit den Werten für die FDP und die AfD.

Fazit zur Sonntagsfrage in NRW: Stabile SPD – schwierig einzuschätzendes bürgerliches Lager

Die Vorhersagen für die SPD sind im Durchschnitt in der Sonntagsfrage für Nordrhein-Westfalen am zuverlässigsten. Dies dürfte daran liegen, dass die Sozialdemokraten in keinem Basisland organisatorisch so stark wie in NRW sind. Es gibt hier eine stabile Basis für die Befragung.

Probleme bereitet vor allem das bürgerliche Lager um CDU und FDP. In den letzten Jahren lag dies vor allem an der AfD. Anders als in anderen Bundesländern ging der Aufstieg der Partei nicht zu Lasten des bürgerlichen Lagers, sondern vor allem auf Kosten von Grünen und Piraten. Gewohnte Modelle für die Erstellung der Sonntagsfrage haben sich so als falsch erwiesen, was die Probleme bei den Werten für die Union und Liberalen erklärt.