Sonntagsfrage Rheinland-Pfalz

Balkendiagramm der Sonntagsfrage in Rheinland-Pfalz mit Umfragewerten aller großen Parteien
Balkendiagramm der Sonntagsfrage in Rheinland-Pfalz

Die Politische Stimmung in Rheinland-Pfalz: Ein Überblick

Rheinland-Pfalz war lange eine klassische CDU-Hochburg. Bis 1991 stellte stets die Union die Landesregierung in der Heimat Helmut Kohls, häufig sogar mit absoluter Mehrheit. 1991 wandelte sich die Situation jedoch dramatisch: Die SPD kam an die Regierung und gab sie seit damals nicht mehr ab. Die politische Stimmung deutet jedoch daraufhin, dass es in Zukunft wieder einen Machtwechsel geben könnte. Dies zeigt die Sonntagsfrage für Rheinland-Pfalz. Es lohnt sich also ein Blick darauf, wie zuverlässig die entsprechenden Erhebungen in der Vergangenheit waren.

Balkendiagramm der Sonntagsfrage in Rheinland-Pfalz Zugewinne und Verluste der großen Parteien.
Balkendiagramm der Sonntagsfrage in Rheinland-Pfalz mit Zugewinnen und Verlusten im Vergleich zur letzten Landtagswahl

Besonderheiten im Wahlrecht von Rheinland-Pfalz

Das rheinland-pfälzische Wahlrecht kennt kaum Besonderheiten. Lediglich die Bezeichnungen der Stimmen differiert von den sonstigen Namen in Deutschland. Die Erststimme heißt „Wahlkreisstimme“. Die Zweitstimme trägt die Bezeichnung „Landesstimme“. Die Erststimme wurde erst 1987 eingeführt. Über sie werden 51 der 101 Mandate des Landtags in Mainz vergeben.

Für die Parteien gibt es eine weitere Besonderheit: Sie können sich entscheiden, ob sie mehrere Bezirkslisten oder eine Landesliste aufstellen möchten. Vor der Wahl kann jede Partei diese Entscheidung neu treffen.

Blick zurück: Genauigkeit der Sonntagsfrage für Rheinland-Pfalz in der Vergangenheit

Sonntagsfrage für Rheinland-Pfalz vor der Landtagswahl 2016

Alle Ergebnisse der Landtagswahl für Rheinland-Pfalz: Die SPD gewann die Landtagswahl 2016 mit 36,2 Prozent der Stimmen. Die CDU landete mit 31,8 Prozent auf dem zweiten Rang. Der dritte Platz ging an die erstmals angetretene AfD, die 12,6 Prozent der Stimmen bekam. Die FDP mit 6,2 Prozent und die Grünen mit 5,3 Prozent schafften ebenfalls den Einzug in den Landtag. Die Linke scheiterte mit 2,8 Prozent deutlich an der Fünf-Prozent-Hürde.

Abgesehen von den Werten für die CDU und für die AfD war die Sonntagsfrage für Rheinland-Pfalz in den drei Wochen vor der Wahl relativ zuverlässig. Die SPD schwankte zwischen 35 und 36 Prozent. Die CDU kam ebenfalls auf 35 bis 36 Prozent. Die Grünen lagen bei 5 bis 7 Prozent. Die FDP lag bei 6 bis 7 Prozent. Die AfD kam auf 9 bis 11 Prozent. Die Linke stand bei 3 bis 4 Prozent.

Viele der Befragten, die CDU angaben, votierten augenscheinlich für die AfD. Die SPD sicherte sich bei den Wahlen Stimmen von Personen, die eigentlich Grüne oder Linke wählen wollten

Sonntagsfrage für Rheinland-Pfalz vor der Landtagswahl 2011

2011 lag die Sonntagsfrage für Rheinland-Pfalz vor allem für die SPD falsch. Diese gewann die Wahl knapp mit 35,7 Prozent. In den zwei Wochen vor der Wahl stand sie jedoch noch bei 37 bis 38 Prozent. Die CDU landete auf dem zweiten Rang mit 35,2 Prozent. Ihre Prognosen waren relativ gut: Die Institute sahen sie bei 34 bis 36 Prozent.

Die Werte für die Grünen auf Platz 3 waren durchschnittlich zu schwach. Die Partei erreichte in der Wahl 15,4 Prozent. Die Sonntagsfragen sahen sie bei 10 bis 14 Prozent. Ähnlich unzuverlässig waren die Werte für die FDP: Tatsächlich kam die Partei nur auf 4,2 Prozent der Stimme. Die Institute hatten 5 bis 6 Prozent vorhergesagt. Bei der Linken sahen die Prognosen 4 Prozent voraus. Die Partei erreichte tatsächlich 3 Prozent der Stimmen.

Es gab offensichtlich eine Wählerwanderung von der SPD zu den Grünen. Viele der Befragten, die angaben, ihr Kreuz bei den Sozialdemokraten zu machen, entschieden sich tatsächlich für die Grünen.

Sonntagsfrage für Rheinland-Pfalz vor der Landtagswahl 2006

Die Sonntagsfrage für Rheinland-Pfalz vor der Wahl 2006 war für alle Parteien mit Ausnahme der FDP und der Linken falsch. Die SPD, die damals vom populären Kurt Beck geführt wurde, gewann die Wahl souverän mit 45,6 Prozent der Stimmen. Die Prognosen hatten sie in den drei Wochen vor der Wahl bei 39 bis 43 Prozent gesehen.

Die CDU auf Platz 2 wurde deutlich zu stark eingeschätzt. Sie kam tatsächlich auf 32,8 Prozent der Stimmen. Die Institute hatten auf 34 bis 36 Prozent getippt. Die FDP hätte nach den Prognosen 8 bis 10 Prozent erreichen müssen. Tatsächlich kam sie auf 8,0 Prozent. Die Grünen scheiterten mit 4,6 Prozent an der Fünf-Prozent-Hürde. Die Prognosen hatten sie bei 6 bis 8 Prozent gesehen. Für die Linkspartei sagten die Institute 3 bis 4 Prozent voraus. Tatsächlich kam sie auf 2,5 Prozent.

Bei der Wahl gab es im Vergleich mit der Sonntagsfrage offenbar eine Verschiebung zur SPD. Diese bekam Stimmen von Personen, die zuvor angegeben hatten, sie würden die Grünen oder die CDU wählen.

Frühere Sonntagsfragen für Rheinland-Pfalz

In vorherigen Sonntagsfragen ist das Bild ähnlich. Wenigstens eine Partei wird zumeist deutlich falsch eingeschätzt. Generell gibt es die Tendenz, dass die CDU in der Sonntagsfrage eher zu stark ist, die SPD hingegen zu schwach.

Welche Institute führen die Sonntagsfrage für Rheinland-Pfalz durch?

  • Infratest dimap: Das Institut arbeitet für die ARD und den SWR. Die SPD ist meist zu schwach, die CDU hingegen zu stark.
  • Forsa: Das Meinungsforschungsinstitut ist für RTL tätig. Die CDU wird oft als zu stark eingeschätzt. Ansonsten sind die Angaben relativ präzise.
  • Forschungsgruppe Wahlen: Das für das ZDF tätige Institut sieht die CDU zumeist etwas zu stark. Ansonsten sind seine Zahlen durchschnittlich sehr gut.
  • INSA: Das Institut erstellt die Sonntagsfrage für die Bild. Ähnlich wie bei Forsa ist die SPD etwas zu schwach, die CDU dagegen zu stark.
  • YouGov: Das Haus arbeitet in Eigenregie und sieht die CDU oft viel zu stark. Auffällig ist allerdings, dass YouGov das einzige Institut, dass vor der letzten Wahl mit 11 Prozent eine einigermaßen zutreffende Prognose für die AfD erstellen konnte.

Fazit: Die politische Stimmung in Rheinland-Pfalz ist schwer vorherzusagen

Die vergangenen Sonntagsfragen für Rheinland-Pfalz zeigen, dass die politische Stimmung in diesem Bundesland nur schwer zu messen. Insbesondere die SPD ist in den Umfragen zumeist schlechter gelitten als es tatsächlich der Fall ist. Die Union wirkt dagegen stärker als sie schließlich eigentlich abschneidet. Die lange Regierungszeit der CDU bis 1991 hallt diesbezüglich offenbar noch nach. Das Auftreten der AfD hat die Situation weiter verschlechtert, da viele scheinbare Unionswähler offenbar doch ihr Kreuz bei dieser Partei machen.