Sonntagsfrage Sachsen-Anhalt

Sonntagsfrage in Sachsen-Anhalt: Ein Überblick über die Messung der politischen Stimmung

Sachsen-Anhalt ist eine der Hochburgen der CDU. Seit 1998 gewann die Union jede Wahl. Seit 2005 schnitt sie in ausnahmslos jeder Sonntagsfrage für Sachsen-Anhalt am besten ab. Die Vorhersagen waren in der Vergangenheit allerdings nicht immer zuverlässig. Dies galt schon vor dem Aufstieg der AfD, der dieses Problem allerdings verschärft hat.

Im Kontext der Wahlergebnisse für Sachsen-Anhalt bei der letzten Landtagswahl, zeigt die folgende Darstellung Zugewinne und Verluste der Parteien basierend auf der aktuellen Sonntagsfrage.

Sachsen-Anhalt kennt keine Besonderheiten im Wahlrecht

Eigentlich sollten die Institute die Sonntagsfrage für Sachsen-Anhalt relativ präzise erheben können. Das Bundesland kennt praktisch keine Besonderheiten im Wahlrecht. Einzige Ausnahme ist die Bezeichnung der Stimmen: Die Erststimme heißt Personenstimme und die Zweitstimme wird als Parteienstimme bezeichnet. Dies soll Missverständnisse verhindern. Bei der Erstellung der Umfragen arbeiten die Institute folglich mit den Regeln, die sie seit Jahrzehnten kennen.

Blick zurück: Sonntagsfrage für Sachsen-Anhalt für die letzten drei Wahlen

Sonntagsfrage für Sachsen-Anhalt vor der Landtagswahl 2016

Die CDU gewann die Landtagswahlen 2016 mit 29,8 Prozent. In den zwei Wochen vor der Wahl erreichte sie in den Umfragen 29 bis 32 Prozent. Für die Union stimmten die Prognosen also ungefähr. Ganz anders sah es für die erstmals angetretene AfD aus, die den zweiten Platz erreichte. Die Sonntagsfrage für Sachsen-Anhalt sah sie bei 18 bis 19 Prozent. Tatsächlich gewann sie 24,3 Prozent.

Für die Linke galt das Gegenteil: Sie stand in den Vorhersagen bei 20 bis 21 Prozent. Sie kam auf 16,3 Prozent. Deutlich zu stark wurde auch die SPD eingeschätzt: Die Prognosen sahen sie bei 14 bis 17 Prozent. Tatsächlich erreichte sie jedoch nur 10,6 Prozent. Offenkundig gaben Wähler SPD oder Linke an, die sich dann für die AfD entschieden.

Für die Grünen und die FDP stimmten die Vorhersagen hingegen. Die Grünen wurden bei 5 bis 6 Prozent gesehen. Sie landeten bei 5,2 Prozent. Die Liberalen standen in der Sonntagsfrage bei 4,5 bis 5 Prozent und erreichten 4,9 Prozent.

Sonntagsfrage für Sachsen-Anhalt vor der Landtagswahl 2011

Die CDU gewann die Landtagswahl 2011 mit 32,5 Prozent. Die Sonntagsfrage in den zwei Wochen vor der Wahl war für sie sehr präzise. Sie stand bei 32 bis 33 Prozent. Die Linke auf Platz 2 wurde dagegen leicht zu stark eingeschätzt. Sie erreichte 23,7 Prozent, stand aber in den Umfragen bei 24 bis 25 Prozent.

Auch die SPD wurde zu stark eingeschätzt. Ihre Prognosen lagen bei 24 Prozent. Tatsächlich gewann sie 21,5 Prozent der Stimmen. Die Grünen standen hingegen in der Umfrage für Sachsen-Anhalt bei 5 bis 5,5 Prozent, kamen aber tatsächlich auf 7,1 Prozent. Die FDP erreichte 3,8 Prozent, stand aber in den Umfragen bei 4,5 bis 5 Prozent.

Sonntagsfrage für Sachsen-Anhalt vor der Landtagswahl 2006

2006 gab es ähnliches Bild wie in den bereits erläuterten Wahlen. Die CDU gewann mit 36,2 Prozent der Stimmen. In den drei Wochen vor den Wahlen stand die Union in den Umfragen bei 36 bis 38 Prozent. Die Prognosen waren also relativ zuverlässig.

Für die Linke auf Platz 2 passte es in etwa auch. Sie gewann 24,1 Prozent der Stimmen. Mit 22 bis 23 Prozent sahen sie die Umfragen nur leicht zu schwach. Mit 23 bis 26 Prozent wurde hingegen die SPD spürbar zu stark eingeschätzt. Sie kam nur auf 21,4 Prozent. Die Institute sagten mit 4 Prozent und 6 Prozent die Wahlergebnisse für die Grünen (tatsächlich: 3,6 Prozent) und die FDP (tatsächlich: 6,7 Prozent) zudem überraschend genau voraus.

Sonntagsfrage für Sachsen-Anhalt für frühere Wahlen

Für vorherige Wahlen war das Bild ähnlich. Die Umfragen für die CDU waren noch am besten. Die SPD wird in der Sonntagsfrage immer als zu stark eingeschätzt. Ein ähnliches Problem gibt es für die Linke und die Grünen. Die FDP wurde hingegen oft zu schwach eingestuft.

Zwischen den Wahlen: Ist die Sonntagsfrage ein Indikator für die politische Stimmung?

Tatsächlich hat sich die Sonntagsfrage in Sachsen-Anhalt zwischen den Wahlen den Wahlen als relativ präziser Indikator für die politische Stimmung herausgestellt. Zwischen 2011 und 2016 deutete sich beispielsweise schon an, dass SPD und Linke deutlich an Stimmen verlieren würden. Die Umfragen konnten zudem den Aufstieg der AfD andeuten, auch wenn sie deutlich unter dem tatsächlichen Ergebnis blieben.

Erhebung der Sonntagsfrage in Sachsen-Anhalt: Die wichtigsten Institute

  • Infratest dimap: Das Institut arbeitet vor allem im Auftrag der ARD und des MDR. CDU, SPD und Linke sind immer ein wenig zu stark – insbesondere die Sozialdemokraten.
  • Forschungsgruppe Wahlen: Das Institut ist für das ZDF tätig. 2016 lag es für CDU, SPD, Linke und AfD deutlich falsch. Bis dahin hatte es eigentlich sehr zuverlässig gearbeitet.
  • INSA: Das für die Bild tätige Institut sieht die CDU etwas zu stark und die Linke zu schwach. Ähnlich wie andere Institute auch hat INSA große Probleme mit der AfD.
  • Emnid: Das Institut arbeitet vor allem für den Focus und den Landesverband der Linken. Tatsächlich sind seine Erhebungen relativ präzise – lediglich die Linke schneidet etwas zu stark ab.

Fazit zur Sonntagsfrage Sachsen: Schwer zu messendes Protestpotenzial

Die Sonntagsfrage in Sachsen-Anhalt leidet vor allem unter dem schwer zu messenden Protestpotenzial in der Bevölkerung. 1998 erreichte beispielsweise die DVU 12,6 Prozent, die anschließend in den Umfragen wieder in sich zusammenfiel. Die schwachen Prognosen für die AfD scheinen vor allem damit zusammenzuhängen. Sie scheint vor allem von der Linken Stimmen gewonnen zu haben. Weiterhin auffällig ist, dass einzig die CDU über eine stabile Wählerbasis im Land zu verfügen scheint, die bei etwa 30 Prozent liegt. Die Sonntagsfrage für Sachsen-Anhalt ist deshalb schwierig einzuschätzen, da sich das Protestwahlverhalten in der Regel erst in der tatsächlichen Abstimmung, aber nicht in den Umfragen zeigt.