Sonntagsfrage Sachsen

Die Sonntagsfrage in Sachsen – Aktuell und Chronologie

Alle Umfragewerte der großen Parteien zur Sonntagsfrage in Sachsen.
Alle Umfragewerte der großen Parteien zur Sonntagsfrage in Sachsen.

Fast drei Jahrzehnte nach Verwirklichung der deutschen Einheit zeigen sich in der politischen Stimmungslage in Sachsen immer noch Unterschiede im Vergleich zur alten Bundesrepublik. Das wird auch bei der Sonntagsfrage deutlich – insbesondere wenn sie sich auf die Landespolitik und Landtagswahlen bezieht. Auch die aktuellen Wahlergebnisse der letzten Landtagswahl in Sachsen bilden das ab.

Darstellung der Gewinne und Verluste großer Parteien bei den Umfragewerten zur Sonntagsfrage in Sachsen.
Gewinne und Verluste der großen Parteien zur Landtagswahl im Kontext der aktuellen Sonntagsfrage in Sachsen.

Die Sonntagsfrage in Sachsen

Sonntagsfragen zu den Landtagswahlen werden in Sachsen praktisch seit 1991 durchgeführt – am Anfang in größeren Zeitabständen, spätestens seit der Jahrtausendwende mehr oder weniger regelmäßig. Die jüngeren Befragungen sind überwiegend von bekannten Instituten und Einrichtungen wie Forschungsgruppe Wahlen, Infratest dimap und INSA realisiert worden. Daneben gab es mehrere Sonntagsfragen der „sächsischen“ Markt- und Meinungsforscher IM Field und UniQma. Auftraggeber sind meist Fernseh- und Rundfunkanstalten oder Zeitungen.

Die politische Entwicklung in Sachsen seit 1990

Zeitgleich mit der deutschen Einheit wurde am 3. Oktober 1990 der Freistaat Sachsen aus den ehemaligen DDR-Bezirken Chemnitz, Dresden und Leipzig neu errichtet. Bei den ersten Landtagswahlen am 14. Oktober 1990 erreichte die CDU mit 53,8 Prozent die absolute Mehrheit. Alle weiteren Parteien folgten mit weitem Abstand: SPD (19,1 Prozent), Linke/PDS (10,2 Prozent), Grüne (5,6 Prozent) und FDP (5,3 Prozent).

Bei den Landtagswahlen 1994 und 1999 konnte die CDU ihre absolute Mehrheit verteidigen und sogar ausbauen. Die SPD halbierte sich dagegen fast, während die Linke/PDS ihr „Start-Ergebnis“ nahezu verdoppelte. Beide Parteien verharrten bis zur Landtagswahl 2014 auf diesem Niveau. Seit der Jahrtausendwende erodiert die führende Stellung der CDU zusehends. Bei den Landtagswahlen 2004, 2009 und 2014 pendelte die CDU noch um die 40 Prozent und blieb damit stärkste Kraft. Profitiert vom CDU-Niedergang haben rechte Parteien – zunächst die NPD, 2014 erstmals die AfD.

Der Verlust der beherrschenden CDU-Stellung wird auch in der Sonntagsfrage in Sachsen deutlich. Zuletzt erreichte die CDU bei einer Sonntagsfrage Mitte 2004 – wenige Monate vor der Landtagswahl – einen 50 Prozent-Wert, seither liegt sie stets deutlich darunter. Die AfD erschien erstmals in einer Sonntagsfrage Anfang 2014 und hat seither in den Umfragen einen fulminanten Aufstieg erlebt.

Sonntagsfrage Sachsen und Landtagswahlen 2014

Die sächsischen Landtagswahlen am 31. August 2014 brachten vor allem am „rechten Rand“ bemerkenswerte Veränderungen. Die AfD zog mit 9,7 Prozent auf Anhieb in den Landtag ein und verdrängte die NPD (4,9 Prozent). Die bis dahin mitregierende FDP erreichte nur noch ein gutes Drittel ihres Stimmenanteils von 2009 und verfehlte mit 3,8 Prozent den Landtagseinzug. CDU, SPD und Linke konnten ihre Ergebnisse von 2009 ungefähr behaupten, die SPD mit leichten Gewinnen, die beiden anderen Parteien mit leichten Verlusten. In den Sonntagsfragen hatte die CDU noch in der ersten Jahreshälfte bei 45 Prozent gelegen, konnte dies aber nicht halten. Die FDP lag in allen Sonntagsfragen 2014 deutlich unter 5 Prozent. Die AfD tauchte erstmals in einer Sonntagsfrage Anfang 2014 mit rund 6 Prozent auf und schnitt dann noch besser ab als vorhergesagt.

Sonntagsfrage Sachsen uns Landtagswahlen 2009

Das Landtagswahlergebnis vom 30. August 2009 zeigte nur verhältnismäßig wenig Veränderung im Vergleich zu 2004. Die CDU blieb mit 40,2 Prozent bei kleinen Verlusten stärkste Kraft. Die FDP erzielte mit 10 Prozent ihr historisch bestes Ergebnis in Sachsen, die NPD verlor deutlich, konnte aber mit 5,6 Prozent erneut in den Landtag einziehen. Dieses Resultat spiegelte sich auch in den Sonntagsfragen im Vorfeld der Landtagswahl wider. Lediglich die SPD schnitt in der Wahl mit 10,7 Prozent schlechter ab als bei den Sonntagsfragen. Hier hatte sie etwa drei bis fünf Prozent höher gelegen.

Sonntagsfrage Sachsen und Landtagswahlen 2004

Für die CDU bedeuteten die Landtagswahlen am 19. September 2004 einen tiefen Einschnitt. Sie verlor erstmals ihre absolute Mehrheit und rutschte um mehr als 15 Prozentpunkte auf 41,1 Prozent ab. Profitieren konnte die NPD, die mit 9,2 Prozent erstmals in den Landtag einzog, in geringerem Umfang auch die FDP, die mit 5,9 Prozent zum zweiten Mal den Landtagseinzug schaffte. In den Sonntagsfragen hatte es lange für die CDU besser ausgesehen, noch bis in den Juli 2004 lag sie deutlich über 50 Prozent. Der „Stimmungsverfall“ begann im dritten Quartal, zeitgleich legte die NPD in den Sonntagsfragen zu. Bei der Landtagswahl schnitt die CDU dann noch schlechter ab, die NPD dagegen besser.

Die politische Großwetterlage in Sachsen

Die CDU konnte in Sachsen lange von ihrem Image „als Partei der Deutschen Einheit“ profitieren. Unter dem populären Ministerpräsidenten Biedenkopf stand sie gleichzeitig für sächsisches Selbstbewusstsein. Diese „Sonderposition“ ließ sich nicht auf Dauer aufrechterhalten. Spätestens seit dem Ende der „Ära Biedenkopf“ gelten auch für die sächsische CDU „normale Verhältnisse“. Das erklärt den mehr oder weniger kontinuierlichen Stimmenschwund, der sich in den Sonntagsfragen und den Landtagswahlergebnissen gezeigt hat.

Die letzten Landtagswahlen 2014 liegen jetzt schon einige Zeit zurück. Seither hat sich in der politischen Landschaft der Bundesrepublik und auch Sachsens viel getan. Neuere Sonntagsfragen deuten auf eine weitere Erosion der CDU-Position zugunsten der AfD hin, die sich in Sachsen Hoffnung auf Ergebnisse über 20 Prozent machen kann. Viele Sachsen sind mit der CDU-geführten Bundesregierung unzufrieden, zuletzt mit der Flüchtlingspolitik. Das machte sich zunächst in starken NPD-Ergebnissen, dann in einer außerparlamentarischen Bewegung wie Pegida, schließlich im AfD-Erfolg bemerkbar.

Sonntagsfrage Sachsen – Aussagekraft und Fehler

Grundsätzlich ist auch bei Sonntagsfragen in Sachsen von Fehlerbereichen von ein bis drei Prozent auszugehen. Zurückliegende Sonntagsfragen zeigten dabei häufiger, dass die CDU in Sachsen eher „überschätzt“ wurde, während die Parteien „am rechten Rand“ eher schlechter als in der Realität abschnitten. Das mag bezogen auf die CDU mit deren lange dominierender Position zusammenhängen, bezogen auf die „Rechtsparteien“ mit einer gewissen Zögerlichkeit, die eigenen Wahlabsichten in der Sonntagsfrage offenzulegen.

Fazit zur Sonntagsfrage in Sachsen: Parteienlandschaft im Umbruch

Insgesamt zeigen die Sonntagsfragen in Sachsen einen anhaltenden Umbruch der Parteienlandschaft. Der Erosionsprozess der einst übermächtigen CDU scheint noch nicht zu Ende zu sein. Sie erlebt eine immer stärkere Konkurrenz durch die AfD, daneben behauptet sich die Linke. Alle weiteren Parteien spielen nur eine untergeordnete Rolle.