Sonntagsfrage Schleswig-Holstein

Sonntagsfrage Schleswig-Holstein: Ein Überblick über die Zuverlässigkeit der Messung der politischen Stimmung

Schleswig-Holstein liegt ganz im Norden der Republik. In den vergangenen Jahrzehnten wechselten sich CDU und SPD häufig an der Regierung ab. Nicht selten waren die beiden großen Parteien fast gleichstark. Der Sonntagsfrage für Schleswig-Holsteinals Indikator für die aktuelle politische Stimmung kommt deshalb ein besonderes Gewicht zu. In der Vergangenheit erwiesen sich die Vorhersagen als relativ zuverlässig.

Die folgende Grafik zeigt die Zugewinne und Verluste der großen Parteien in, im Vergleich zum Ergebnis der letzten Landtagswahlen in Schleswig-Holstein.

Besonderheiten im Wahlrecht von Schleswig-Holstein

In der Verfassung des Landes wird die dänische Minderheit besonders geschützt. Sie ist deshalb in Gestalt des SSW von der Fünf-Prozent-Hürde ausgenommen. Politisch bedeutete dies in der Vergangenheit bereits, dass der SSW das Zünglein an der Waage sein konnte. Für die Messung der Sonntagsfrage für Schleswig-Holstein ist diese Besonderheit jedoch nicht relevant.

Blick zurück: Sonntagsfrage für Schleswig-Holstein vor den letzten Landtagswahlen

Sonntagsfrage für Schleswig-Holstein vor den Landtagswahlen 2017

Die Sonntagsfrage für Schleswig-Holstein war vor den Landtagswahlen 2017 relativ gut. Die CDU gewann die Wahl mit 32,0 Prozent der Stimmen. In den zwei Wochen vor der Fall hatte sie bei 32 bis 33 Prozent gelegen. Die SPD landete auf Platz 2 mit 27,2 Prozent. Prognostiziert waren für die Sozialdemokraten 29 Prozent.

Rang 3 ging an die Grünen mit 12,9 Prozent der Stimmen. Sie lagen in den Umfragen bei 12 Prozent. Die FDP erreichte 11,5 Prozent. Ihre Prognosen lagen bei 10 bis 11 Prozent. Die erstmals angetretene AfD schaffte mit 5,9 Prozent ebenfalls den Einzug in den Landtag. In den Umfragen hatte sie bei zutreffenden 5 bis 6 Prozent gelegen.

Die Linke scheiterte mit 3,8 Prozent deutlich an der Fünf-Prozent-Hürde. Sie hatte in den Vorhersagen noch bei 4,5 bis 5 Prozent gelegen. Der SSW erhielt 3 Prozent. Vorausgesagt waren 3 bis 4 Prozent.

Sonntagsfrage für Schleswig-Holstein vor den Landtagswahlen 2012

Der Landtag musste 2012 vor der Zeit aufgelöst werden. Es kam zu vorgezogenen Neuwahlen. Insgesamt war die Sonntagsfrage für Schleswig-Holstein ähnlich präzise wie 2017. Die CDU gewann die Wahl knapp mit 30,8 Prozent. In den zwei Wochen vor der Wahl stand sie in den Prognosen bei 30 bis 32 Prozent. Die SPD erreichte 30,4 Prozent. Die Umfragen der Sozialdemokraten reichten von 31 bis 33 Prozent und waren insgesamt etwas zu hoch.

Die Grünen sicherten sich Platz 3 mit 13,2 Prozent der Stimmen. Ihre Umfragen hatten sich zwischen 12 und 13 Prozent bewegt. Die FDP schnitt besser als erwartet ab. Ihre Vorhersagen lagen bei 6 bis 7 Prozent. Tatsächlich erreichten die Liberalen 8,2 Prozent. Die Piraten schafften ebenfalls den Einzug in den Landtag. Auch sie gewannen 8,2 Prozent. Ihre Umfragen lagen bei 8 bis 9 Prozent.

Der SSW gewann 4,6 Prozent der Stimmen. Seine Umfragen lagen bei 4 bis 4,5 Prozent. Die Linke scheiterte deutlich der Sperrklausel. Sie gewann nur 2,3 Prozent. Prognostiziert waren 2 bis 2,5 Prozent.

Sonntagsfrage für Schleswig-Holstein vor den Landtagswahlen 2009

Auch 2009 war die Sonntagsfrage für Schleswig-Holstein relativ genau. Die CDU gewann die Wahl mit 31,5 Prozent der Stimmen. In den Umfragen stand sie in den zwei Wochen vor der Wahl bei 31 bis 33 Prozent. Die SPD kam auf 25,4 Prozent. Vorhergesagt waren 25 bis 28 Prozent.

Platz 3 ging an die FDP mit 14,9 Prozent. Ihre Prognosen bewegten sich zwischen 14 und 16 Prozent. Dahinter landeten die Grünen mit 12,4 Prozent der Stimmen. Ihre Prognosen bewegten sich zwischen 11 und 13 Prozent.

Auch die Linke schaffte mit 6,0 Prozent den Sprung in den Landtag. Ihre Umfragen lagen zwischen 6 und 7 Prozent. Der SSW gewann 4,3 Prozent der Stimmen. Prognostiziert waren 4 bis 5 Prozent.

Sonntagsfrage für Schleswig-Holstein bei früheren Wahlen

Bei vorherigen Wahlen war das Bild nicht immer so präzise. 2005 schnitt beispielsweise die CDU deutlich besser als erwartet ab. 1996 war die SPD dafür spürbar schlechter als prognostiziert. Insgesamt hat sich die Sonntagsfrage für Schleswig-Holstein vor den Wahlen aber als zuverlässig erwiesen.

Sonntagsfrage für Schleswig-Holstein zwischen den Wahlen

Zwischen den Wahlen scheint die Sonntagsfrage für Schleswig-Holstein ebenfalls ein zuverlässiger Indikator für die Messung der politischen Stimmung im Land zu sein. Es gibt kaum drastische Ausschläge von Parteien innerhalb eines kurzen Zeitraums. Tatsächlich dürften die Umfragen die Stimmungsveränderungen so zuverlässig abbilden.

Diese Institute erheben regelmäßig die Sonntagsfrage für Schleswig-Holstein

  • Forschungsgruppe Wahlen (für das ZDF): Die CDU ist häufig zu schwach, die SPD wirkte dagegen oft zu stark.
  • Infratest dimap (für ARD): Ähnlich wie bei der Forschungsgruppe Wahlen wirkt die CDU etwas zu schwach in vielen Umfragen, die SPD dagegen zu stark.
  • INSA (für die Bild): Insgesamt sind die Umfragen sehr schlecht. Lediglich die Werte für die CDU stimmten beispielsweise vor den Wahlen 2017 annähernd.
  • Forsa (für regionale Medien): Die CDU ist zu schwach, die SPD dagegen zu stark. Die Werte für die kleinen Parteien sind dagegen gut.

Fazit: Kaum extremes Wählerpotenzial in Schleswig-Holstein

Die Zuverlässigkeit der Sonntagsfrage für Schleswig-Holstein dürfte daran liegen, dass es kaum extremes Wählerpotenzial zu geben scheint. Verglichen mit anderen Bundesländern sind die beiden Ränder AfD und Linkspartei schwach. Verschiebungen finden in der Hauptsache zwischen den vier etablierten Parteien statt. Solche Wanderungsbewegungen sind in Umfragen gut zu fassen, weil die Befragten keine Hemmungen haben, hier ihre wahre Meinung zu äußeren. In anderen Ländern war es beispielsweise zu beobachten, dass viele spätere AfD-Wähler in den Umfragen anders antworteten.