Wahlergebnis Bremen

Wahlergebnisse Bremen: Überblick, Analyse und Einordnungen

Bremen ist das kleinste deutsche Bundesland und einer der drei Stadtstaaten. Die Hansestadt ist traditionelle Hochburg der SPD. Stets waren die Sozialdemokraten die stärkste Partei. Die CDU konnte ihr überhaupt nur einmal nahekommen. Ein Überblick über die Wahlergebnisse in Bremen, gepaart mit den Wahlumfragen der Sonntagsfrage für Bremen, soll die Grundlage für eine Analyse und einige zentrale Einordnungen geben.

Aktuelle Wahlergebnisse in Bremen: Die Bürgerschaftswahl 2015

In Bremen trägt der Landtag die Bezeichnung Bürgerschaft. Dies liegt daran, dass das Parlament zugleich auch für die Kommune der Stadt Bremen zuständig ist. Wenn in der Folge von Bürgerschaft die Rede ist, wird damit stets der Landtag bezeichnet.

Die SPD gewann die Wahlen 2015 mit einem Stimmanteil von 32,8 Prozent. Dies waren massive Verluste gegenüber 2011 von fast 6 Prozent. Die CDU gewann dagegen leicht dazu. Sie kam auf 22,4 Prozent und verbesserte ihr Wahlergebnis damit um 2,0 Prozent. Die Grünen erreichten 15,1 Prozent. Gegenüber den Wahlen 2011 verloren sie damit 7,4 Prozent. Auch die Linke schaffte den Einzug in die Bürgerschaft: Mit 9,5 Prozent konnte sie um fast 4 Prozent zulegen. Gleiches galt für die FDP, die insgesamt 6,6 Prozent erreichte. Die erstmals angetretene AfD zog mit 5,5 Prozent ebenfalls ins Parlament ein. Die aus der DVU hervorgegangene Partei Bürger in Wut (BIW) kam zwar nur auf 3,2 Prozent. Dank einer Sonderregel für Bremerhaven durfte sie ebenfalls einen Abgeordneten stellen.

Der Wahlkampf wurde vor allem von regionalen Themen bestimmt. Kriminalität, die maroden Finanzen und das Projekt der Hafen-City dominierten die Auseinandersetzungen. Nur 41 Prozent der Bremer bewerteten laut Infratest dimap dabei die Arbeit des Senats (d.h. der Landesregierung) als gut. Insbesondere die Grünen als Teil der rot-grünen Regierung verloren massiv an Zustimmung. 2011 waren sie noch für 69 Prozent der Bremer ein wichtiges Gegengewicht zur SPD. 2015 sank dieser Wert auf 50 Prozent. So dürften sich ihre Verluste erklären lassen. Dass die Sozialdemokraten noch immer deutlich vor der Union lagen, hing laut Infratest dimap mit den Spitzenkandidaten zusammen. Oberbürgermeister Jens Böhrnsen wurde deutlich besser als seine CDU-Herausforderin Motschmann (59:19 bei einer Direktwahl) bewertet.

Die Wahlbeteiligung lag nur bei 50,2 Prozent. Dies bedeutete den schlechtesten Wert, der jemals in den alten Bundesländern gemessen wurde. 67 Prozent der Nicht-Wähler erklärten ihr Fernbleiben damit, dass die Politik nur ihre eigenen Interessen verfolge. 58 Prozent sagten außerdem aus, dass keine der Parteien ihre Interessen vertrete.

Wahlergebnisse in Bremen von 2003 bis 2011

2003 wurde die SPD noch von dem in der Stadt ausgesprochen populären Henning Scherf geführt. Sie erreichte bei den Bürgerschaftswahlen 42,3 Prozent der Stimmen. 2007 stand bereits Böhrnsen an der Spitze: Mit ihm büßten die Sozialdemokraten deutlich Stimmen ein und landeten bei 36,7 Prozent. 2011 ging es wieder etwas nach oben. Die SPD landete bei 38,6 Prozent.

Die CDU verlor hingegen kontinuierlich an Stimmen. 2003 regierte sie noch mit einer Großen Koalition und kam auf 29,8 Prozent. 2007 fiel ihr Stimmenanteil auf 25,6 Prozent. In der Opposition vermochte sie nicht zu überzeugen, stimmten 2011 doch nur noch 20,3 Prozent der Wähler für sie.

Die Grünen entwickelten sie genau gegenläufig. 2003 kamen sie auf 12,8 Prozent. Fortan kletterten ihre Wahlergebnisse in Bremen. 2007 standen sie bereits bei 16,5 Prozent und 2011 reichte es sogar für 22,5 Prozent. Erstmals in ihrer Geschichte zogen sie an der Union vorbei. Die erste rot-grüne Regierung von 2007 bis 2011 wurde von den Bürgern offenbar positiv bewertet, da beide Parteien gewinnen konnten.

Für die FDP waren die Wahlen einer Achterbahnfahrt. 2003 scheiterte sie mit 4,2 Prozent an der Fünf-Prozent-Hürde. 2007 zogen die Liberalen dagegen mit 6,0 Prozent in die Bürgerschaft ein. 2011 kam die FDP dagegen nur auf 2,4 Prozent. Verantwortlich dürfte der schwache Bundestrend gewesen sein.

Die Linke bewegte sich ähnlich. 2003 scheiterte sie mit 1,7 Prozent deutlich am Einzug ins Parlament. 2007 erreichte sie dagegen 8,4 Prozent, nur um vier Jahre später wieder auf 5,6 Prozent abzusinken. Da sie stets gewann, wenn die SPD verlor und umgekehrt, liegt der Verdacht nahe, dass es hier Wählerwanderungsbewegungen zwischen den Parteien gab.

Bis 2007 schaffte wegen der Sonderregel für Bremerhaven stets ein Abgeordneter der DVU den Einzug ins Parlament. Seit 2007 ist stets ein Abgeordneter von BIW in der Bürgerschaft vertreten.

Frühere Wahlergebnisse in Bremen

Bemerkenswert waren vor allem die Wahlergebnisse in Bremen 1995. Die SPD landete bei 33,8 Prozent. Bis 2015 war dies das schlechteste Ergebnis ihrer Geschichte. Die CDU erreichte 32,6 Prozent. So nahe war und ist die Union seitdem den Sozialdemokraten nie gekommen. Die Grünen schafften erstmals 1983 den Einzug in die Bürgerschaft. Der DVU gelang 1991 mit 6,2 Prozent der Sprung als Fraktion in die Bürgerschaft. 1995 erreichte zudem die AFB (Arbeiter für Bremen und Bremerhaven) 10,2 Prozent, die sich aus Protest gegen die Politik der bis dahin regierenden Ampelkoalition aus SPD, FDP und Grünen gebildet hatte. Diesen Erfolg konnte sie nicht wiederholen.

Wahlrecht in Bremen: Zwei bemerkenswerte Regelungen

Die Wahlergebnisse in Bremen werden durch zwei bemerkenswerte Regelungen beeinflusst. Erstens liegt das aktive Wahlalter schon bei 16 Jahren. Zweitens gibt es die bereits erwähnte Sonderregelung für Bremerhaven. Schafft eine Partei hier den Sprung über die Fünf-Prozent-Hürde, darf sie mindestens einen Abgeordneten in der Bürgerschaft stellen. Auffällig ist, dass bislang nur rechte Parteien davon profitieren konnten.

Fazit zu Wahlergebnissen in Bremen: In der Hansestadt gibt es strukturell eine linke Mehrheit

In Bremen gibt es deutlich erkennbar eine strukturelle linke Mehrheit. Von Verlusten der SPD profitieren zumeist die Grünen oder die Linke. CDU und FDP konnten seit 2003 kaum Stimmen aus dem linken Lager gewinnen. Selbst der Aufstieg der AfD fiel mit 5,5 Prozent in Bremen Verhalten aus. Allerdings scheint es der Partei gelungen zu sein, Protestwähler aus dem linken Lager von sich zu überzeugen, da CDU und FDP ebenfalls leicht an Prozenten zugewinnen konnten. Möglicherweise befindet sich die Situation also im Wandel.