Wahlergebnisse Brandenburg

Wahlergebnisse Brandenburg: Überblick, Analyse und Einordnungen

Brandenburg ist eine klassische Hochburg der SPD. Seit der Wiedervereinigung haben die Sozialdemokraten jede Wahl gewonnen. Aber auch die Linke durfte sich häufig über starke Wahlergebnisse in Brandenburg freuen, die CDU hat dagegen Probleme. Ein Überblick und eine Analyse der Resultate der Vergangenheit in Kombination mit der Sonntagsfrage für Brandenburg sollen Aufschluss über die Hintergründe geben.

Aktuelle Wahlergebnisse in Brandenburg: Die Landtagswahlen 2014

Nur 47,9 Prozent der Wahlberechtigten gaben bei den letzten Landtagswahlen ihre Stimme ab. Dies war die historisch niedrigste Wahlbeteiligung in Brandenburg und der zweitschlechteste Wert bei irgendeiner Landtagswahl überhaupt.

Die SPD gewann die Wahl mit einem Stimmanteil von 31,9 Prozent. Gegenüber 2009 verschlechterte sie sich leicht. Platz 2 ging an die CDU, die ihr Ergebnis damit um mehr als 3 Prozent steigern konnte. Die Linke erreichte 18,6 Prozent. Sie verlor deutlich gegenüber den Landtagswahlen 2009 und büßte mehr als 9 Prozent ein. Die erstmals angetretene AfD erreichte aus dem Stand 12,2 Prozent.

Auch den Grünen gelang der Einzug in den Landtag. Sie erreichten 6,2 Prozent und legten damit im Vergleich zu 2009 um 0,5 Prozent zu. Die FDP scheiterte dagegen mit 1,5 Prozent deutlich an der Fünf-Prozent-Hürde. 2009 hatte sie noch mehr als 7 Prozent geholt. Die sonstigen Parteien spielten keine Rolle.

Sowohl Forschungsgruppe Wahlen wie auch Infratest dimap erklärten diese Wahlergebnisse in Brandenburg vor allem über die Personen der Spitzenkandidaten. SPD-Ministerpräsident Dietmar Woidke war deutlich beliebter als sein CDU-Herausforderer Michael Schierack oder der Linke-Spitzenkandidaten Christian Görke.

Die AfD bekam von allen Parteien Stimmen. Bemerkenswert dabei: Ihre größten Gewinne verbuchte sie von anderen Parteien, vornehmlich aus dem rechten Spektrum mit 27.000 Wählern. Der zweitgrößte Stimmanteil kam allerdings schon von der Linken mit 20.000 Wählern.

Verantwortlich für die schwache Wahlbeteiligung waren laut Infratest dimap vor allem die beiden Regierungsparteien SPD und Linke. 115.000 Wähler, die 2009 noch für die Linke gestimmt hatten, blieben zuhause. 85.000 vormalige Wähler der Sozialdemokraten taten es ihnen gleich. Als Vergleich: „Nur“ 36.000 ehemalige CDU-Wähler gingen dieses Mal nicht zu Wahl. Besonders hart von der schwachen Wahlbeteiligung wurde die FDP getroffen – sie verlor so 41.000 Stimmen.

Wahlergebnisse in Brandenburg historisch: Die drei vorangegangenen Wahlen

Die SPD gewann die Landtagswahlen 1999 mit 39,3 Prozent. Es war ihr zweitbester Wert überhaupt. 2004 sank sie auf 31,9 Prozent, um 2009 wieder auf 33,0 Prozent zu klettern. Geführt wurde sie damals von Matthias Platzeck, der zeitweilig sogar Bundesvorsitzender der SPD war und hohe Popularitätswerte besaß.

Die CDU verlor ihren Rang als zweitstärkste Partei im Land während dieser Wahlen an die Linke. 1999 hatte sie noch 26,6 Prozent erreicht. Auch für sie bedeutete dies das zweitbeste all ihrer Wahlergebnisse in Brandenburg überhaupt. 2004 sank die Union auf 19,4 Prozent. 2009 erreichte sie 19,8 Prozent. Die Linke kam 1999 noch als PDS auf 23,3 Prozent. 2004 kletterte sie auf 28,0 Prozent. Dies war das beste Wahlergebnis in ihrer Geschichte. 2009 gewann sie 27,2 Prozent – wegen einer deutlich gestiegenen Wahlbeteiligung legte sie an absoluten Stimmen aber sogar zu.

Die Grünen konnten ihren Stimmanteil stetig steigern. 1999 holten sie 1,9 Prozent. 2004 standen sie bei 3,6 Prozent. 2009 reichte es mit 5,7 Prozent zum Einzug in den Landtag. Die FDP erlebte eigentlich eine vergleichbare Entwicklung. 1999 standen die Liberalen bei 1,9 Prozent. 2004 erreichten sie 3,3 Prozent. 2009 holten sie mit 7,2 Prozent das beste Wahlergebnis in Brandenburg in ihrer Geschichte. Die DVU schaffte 1999 mit 5,3 Prozent und 2004 mit 6,1 Prozent zudem ebenfalls den Einzug in den Landtag.

Wahlergebnisse in Brandenburg bei früheren Wahlen

Die SPD gewann die ersten Landtagswahlen in Brandenburg 1990 mit 38,2 Prozent. 1994 holten die Sozialdemokraten mit 54,1 Prozent sogar souverän die absolute Mehrheit. Die CDU kam bei den ersten Wahlen auf 29,5 Prozent. 1994 verbuchte die Union mit 18,7 Prozent das schlechteste Ergebnis ihrer Geschichte. Die PDS kam bei den ersten Wahlen auf 13,4 Prozent. 1994 verbesserte sie ihr Ergebnis auf 18,7 Prozent.

Die Grünen erreichten 1990 einen Stimmanteil von 9,3 Prozent. Es war das beste all ihrer Wahlergebnisse in Brandenburg. 1994 stürzte die Partei jedoch auf 2,9 Prozent ab. Die FDP ereilte ein ähnliches Schicksal. 1990 holten die Liberalen mit 6,6 Prozent ihr zweitbestes Wahlergebnis. 1994 erreichte die FDP nur noch 2,2 Prozent.

Allgemein war die Wahlbeteiligung in Brandenburg stets gering. Sie lag nur zwei Mal über 60 Prozent. Bei der ersten Abstimmung 1990 gingen 67,1 Prozent zur Wahl. 2009 gaben sogar 67,5 Prozent der Brandenburger ihre Stimme ab. Dieser hohe Wert ließ sich aber damit erklären, dass die Landtagswahlen zeitgleich mit den Bundestagswahlen stattfanden.

Wahlrecht von Brandenburg: Drei zentrale Besonderheiten

Drei Besonderheiten des Wahlrechts haben Einfluss auf die Wahlergebnisse in Brandenburg. Erstens ist die sorbische Minderheit von der Fünf-Prozent-Hürde ausgenommen. Zweitens genießen Ausländer ein verfassungsrechtlich verankertes Wahlrecht. Drittens beginnt das aktive Wahlrecht bereits ab Vollendung des 16. Lebensjahres.

Fazit zu Wahlergebnissen in Brandenburg: Nur die SPD hat eine solide Basis

Die letzten Wahlergebnisse in Brandenburg zeigen, dass nur die SPD über eine solide Basis in Brandenburg verfügt, wenn auch ihre Wählerbasis geringer wird. Die Wahlergebnisse der anderen Parteien schwanken stark. Auffällig ist, dass die Linke, die über 10 Jahre sogar zweitstärkste Kraft im Land war, zuletzt deutlich an die AfD verloren hat. Dies zeigt, dass es starke Wählerwanderungen in Brandenburg quer durch das Parteienspektrum gibt. Die große Zahl der Nicht-Wähler und die insgesamt starken Parteien an den Rändern deuten außerdem auf ein großes Protestwähler-Potenzial hin.