Wahlergebnisse Bundestagswahl

Wahlergebnisse der Bundestagswahlen: Überblick, Analysen und Einordnungen

Die Bundestagswahlen sind die wichtigsten politischen Wahlen in Deutschland. Das Parlament (Bundestag) ist der zentrale Gesetzgeber der Bundesrepublik. Der Bundestag ist für die Bildung der Bundesregierung ausschlaggebend. Die bisherigen Wahlergebnisse der Bundestagswahlen zeigen, dass die Deutschen keine schnellen Regierungswechsel bevorzugen. Nur zwei Kanzler (Ludwig Erhardt, Kurt-Georg Kiesinger) überstanden lediglich eine Legislaturperiode. Ein Überblick über die bisherigen Wahlergebnisse der Bundestagswahlen soll als Grundlage für eine Analyse sowie für einige zentrale Einordnungen dienen.

Ein aktuelles Bild der politischen Stimmung in Deutschland bietet die Sonntagsfrage zur Bundestagswahl. Die Frage „Welche Partei würden Sie wählen, wenn am kommenden Sonntag Bundestagswahlen wären?“ wird regelmäßig von verschiedenen Umfrageinstituten erhoben.

Aktuelle Wahlergebnisse der Bundestagswahlen: Die Abstimmung 2017

CDU/ CSU gewannen die Bundestagswahlen am 24. September 2017 mit einem Stimmenanteil von 32,9 Prozent. Gegenüber 2013 büßten sie allerdings 8,5 Prozent ein. Es war das schwächste Wahlergebnis der Unionsparteien seit 1949. Noch härter traf es die SPD. Die Sozialdemokraten erreichten nur 20,5 Prozent. Gegenüber 2013 verloren sie mehr als 5 Prozent. Es war ihr historisch schwächstes Wahlergebnis bei Bundestagswahlen überhaupt.

Platz 3 ging an die AfD. Sie erreichte 12,6 Prozent und konnte gegenüber 2013 um fast 8 Prozent zulegen. Die FDP schaffte mit 10,7 Prozent den Wiedereinzug in den Bundestag. Sie gewann fast 6 Prozent hinzu. Auch die Linke gewann mit einem Ergebnis von 9,2 Prozent Stimmen hinzu – allerdings steigerte sie sich nur um 0,6 Prozent. Die Grünen erreichten 8,9 Prozent. Dies bedeutete ein Plus von 0,5 Prozent gegenüber 2013.

Die Parteien, die von 2013 bis 2017 die Große Koalition getragen hatten, wurden bei den Wahlen deutlich abgestraft. Dies wurde beispielsweise von SPD-Spitzenkandidat Martin Schulz als Votum gegen eine Fortsetzung einer schwarz-roten Regierung verstanden. Dafür sprach auch, dass die kleineren Parteien gewinnen konnten. Dominiert wurde der Wahlkampf von der seit 2015 herrschenden Flüchtlingskrise. Profitieren konnte davon vor allem die AfD, die auf Kosten sowohl der Union wie auch der Sozialdemokraten zulegen konnte.

Wahlergebnisse der Bundestagswahlen historisch: Die drei vorangegangenen Abstimmungen

  • CDU/ CSU wurden seit 2005 stets stärkste Fraktion, erlebten aber ein Auf und Ab. Bei den vorgezogenen Bundestagswahlen 2005 erreichten sie 35,2 Prozent und verloren damit mehr als 3 Prozent gegenüber 2003. 2009 ging es sogar noch einmal weiter bergab: Die Unionsparteien landeten nur bei 33,8 Prozent. 2013 verbesserten sich CDU/ CSU dagegen wieder deutlich und erreichten 41,5 Prozent. Durch die besonderen Wahlergebnisse der Bundestagswahlen dieses Jahres kratzten sie damit sogar an der absoluten Mehrheit.
  • Die SPD kam unter Gerhard Schröder 2005 noch auf 34,2 Prozent und war damit fast noch auf Augenhöhe mit den Unionsparteien. Doch bei den folgenden Wahlen verloren die Sozialdemokraten deutlich. 2009 rutschten sie auf 23 Prozent ab. 2013 reichte es immerhin für 25,7 Prozent – aufgrund der Stärke von CDU/ CSU hatte sich der Abstand zu den Unionsparteien aber sogar vergrößert.
  • Die FDP erlebte eine Achterbahnfahrt. 2005 kamen auf die Liberalen auf 9,8 Prozent. 2009 steigerten sie sich sogar auf 14,6 Prozent, was zum Eintritt in die Regierung genügte. Ihre Arbeit hier wurde aber offenbar sehr schlecht bewertet. 2013 stürzte die FDP auf 4,8 Prozent ab. Die Liberalen verpassten damit zum ersten Mal in ihrer Geschichte den Einzug in den Bundestag.
  • Relativ stabil waren die Wahlergebnisse der Grünen. Sie gewannen 2005 8,1 Prozent der abgegebenen Stimmen. 2009 verbesserten sie sich auf 10,7 Prozent. 2013 kam die Partei auf 8,4 Prozent. Ähnlich sah es bei der Linken aus: 2005 holte die aus PDS und WASG fusionierte Partei 8,7 Prozent. 2009 entschieden sich 11,9 Prozent der Wähler für die Linke. 2013 gewann die Partei 8,6 Prozent der Stimmen. Die AfD kratzte schon 2013 bei ihrem ersten Antritt an der Fünf-Prozent-Hürde. Sie kam auf 4,7 Prozent.

Insgesamt verloren die großen Parteien, abgesehen von dem Ausreißer von CDU/ CSU 2013, bei den vergangenen Wahlen deutlich an Zustimmung. Die kleinen Parteien konnten gewinnen. Seit 2005 haben sich mit der Linken und der AfD zudem zwei neue Parteien im deutschen Parteiensystem etabliert.

Wahlergebnisse der Bundestagswahlen bei früheren Abstimmungen

Vor 2005 war das deutsche Parteiensystem relativ statisch, wie die Wahlergebnisse der Bundestagswahlen bei den vorangegangenen Abstimmungen zeigen. Bis 1983 war es faktisch ein 3,5-Parteiensystem aus CDU/ CSU (1,5 Parteien), SPD und FDP. 1983 gelang dann den Grünen erstmals der Einzug ins Parlament. In den 1990er Jahren saß zwar die PDS mehrfach im Parlament, allerdings profitierte sie dabei von einer inzwischen erloschenen Sonderregelung: Wer in den neuen Bundesländern den Sprung über die Fünf-Prozent-Hürde schaffte, zog in den Bundestag ein. Aus eigener Kraft kam die PDS nur 1998 mit 5,1 Prozent im gesamten Deutschland in den Bundestag.

Andere Parteien hatten seit den Anfangstagen der Bundesrepublik keine wirkliche Chance auf den Einzug ins Parlament. Lediglich die NPD kam bei den Wahlen 1965 mit 4,3 Prozent in die Nähe der Fünf-Prozent-Hürde. Bemerkenswert ist außerdem, dass CDU/ CSU und die SPD zwischen 1957 und 2005 nie unter die Hürde von 30 Prozent rutschten. Vor 2009 schnitten die Unionsparteien überhaupt nur einmal schlechter als 35 Prozent ab – bei den allerersten Bundestagswahlen.

Wahlrecht bei den Bundestagswahlen: Zwei Besonderheiten

Das Wahlrecht für das deutsche Parlament kennt bzw. kannte zwei Besonderheiten, die sich auf die Wahlergebnisse der Bundestagswahlen auswirken. Erstens kann eine Partei, die mindestens drei Direktmandate gewinnt, eine „Gruppe“ bilden. Tatsächlich macht die CSU davon regelmäßig Gebrauch: Sie bildet zwar eine Fraktionsgemeinschaft mit der CDU, ist aber zugleich auch eine eigene Gruppe und stellt deshalb beispielsweise einen Bundestagsvizepräsidenten.

Zweitens gab es bei den beiden Bundestagswahlen nach der Wiedervereinigung die angesprochene Sonderregelung, dass es genügte, in den ostdeutschen Bundesländern die Fünf-Prozent-Hürde zu überqueren. Davon profitierte die inzwischen in der Linkspartei aufgegangene PDS.

Fazit zu den Ergebnissen der Bundestagswahl: Es gibt einen Kanzler/innen-Bonus – aber das Parteisystem ändert sich

Bei den Bundestagswahlen gibt es fraglos so etwas wie einen Kanzler- bzw. Kanzlerinnenbonus. Fast immer wurde die Partei, die den Amtsinhaber/ die Amtsinhaberin unterstütze, auch stärkste Fraktion. In der Geschichte war dies nur drei Mal nicht der Fall: 1976 landete die SPD von Kanzler Helmut Schmidt 6 Prozent hinter CDU/ CSU. Es reichte allerdings trotzdem, um die sozialliberale Koalition fortzusetzen.

1998 landeten CDU/ CSU nach 16 Jahren Kanzlerschaft von Helmut Kohl 5,8 Prozent hinter der SPD. Bis heute sprechen die Meinungsforschungsinstitute davon, dass es die einzigen Wahlen gewesen seien, bei denen es eine deutlich spürbare Wechselstimmung gegeben habe.

2005 landete die SPD etwa 1 Prozent hinter den Unionsparteien. Zieht man in Betracht, wie deutlich die Sozialdemokraten anschließend verloren, profitierte Gerhard Schröder damals deutlich von einem Kanzlerbonus. Dieser dürfte auch erklären, weshalb die Unionsparteien zuletzt deutlich vor der SPD lagen, obwohl das Parteiensystem seit 2005 spürbar in Bewegung gekommen ist.