Wahlergebnisse Hessen

Wahlergebnisse Hessischer Landtagswahlen auf einen Blick.

Die Wahlergebnisse Hessen auf einen Blick (Landtagswahl vom 28.10.18)

Die CDU und die SPD haben bei der Landtagswahl in Hessen 2018 im Vergleich zum Wahlergebnis aus 2013 stark verloren. Gewinner der Wahlen sind die Grünen und die AFD mit einer deutlichen Steigerung der Stimmenanteile. Alle Veränderungen der Wahlergebnisse in Hessen zwischen den Wahlterminen 2013 und 2018 zeigt die folgende Grafik:

Gewinner und Verlierer der Landtagswahlen in Hessen 2018 in einer Grafik.

Hessen gilt als „politisches Labor“ Deutschlands. Die Wahlergebnisse sahen den bürgerlichen von der CDU geführten und den linken von der SPD geführten Block fast immer auf Augenhöhe. Allerdings sind beide Lager untereinander zerstritten. Deshalb folgen aus den Landtagswahlen häufig Regierungen, die es in dieser Form in Deutschland noch nicht gab.

Wahlergebnisse in Hessen bei den Landtagswahlen 2013: Schwarz-Grün als einzige Option

Die Wahl zum 19. Hessischen Landtag fand am 22. September 2013 zeitgleich mit der Bundestagswahl statt. Die Wahlbeteiligung lag deshalb bei 73,2 Prozent – was der beste Wert seit 1980 war. Die CDU gewann die Wahl mit 38,3 Prozent der abgegebenen Stimmen, hatte aber keinen geeigneten Koalitionspartner. Die FDP schaffte mit 5,0 Prozent zwar den Einzug in den Landtag, doch gemeinsam kamen beide Parteien nur auf 53 Mandate. Benötigt wurden 56. Die SPD erreichte 30,7 Prozent der Stimmen. Die Grünen landeten bei 11,1 Prozent. Gemeinsam wäre Rot-Grün auf 51 Sitze gekommen. Da die Linkspartei mit 5,2 Prozent ebenfalls den Einzug in den Landtag schaffte, wäre Rot-Rot-Grün theoretisch möglich gewesen. Die Verhandlungen scheiterten jedoch.

Schwarz-Grün bliebt als einzige Alternative, da sowohl CDU wie auch SPD eine große Koalition ablehnten. Es war das erste Mal, dass es in einem deutschen Flächenland eine entsprechende Regierungskonstellation gab. 2013 trat zudem erstmals die AfD in Hessen an. Sie erreichte aus dem Stand zwar 4,1 Prozent, verfehlte damit aber den Einzug in den Landtag.

Wie sich die politische Stimmung seither entwickelt hat, zeigen die Zahlen der regelmäßig erhobenen Sonntagsfrage für Hessen.

Wahlergebnisse 2008-2009: Die SPD wird abgestraft

Die Wahlergebnisse der hessischen Landtagswahlen 2008 und 2009 müssen im Zusammenhang betrachtet werden, weil das Parlament vorzeitig aufgelöst wurde. Die Parteien konnten sich auf keine Regierungsbildung einigen. Verantwortlich dafür war wesentlich die SPD, deren Spitzenkandidatin Andrea Ypsilanti an Widerstand aus den eigenen Reihen scheiterte.

Die CDU kam 2008 aus einer Alleinregierung und verlor massiv an Stimmen. Sie landete bei 36,8 Prozent.

Die FDP erreichte 9,4 Prozent. Beide kamen gemeinsam auf 53 Mandate. Die SPD erreichte 36,7 Prozent der Stimmen und war damit fast auf Augenhöhe mit der CDU. Die Grünen kamen auf 7,5 Prozent. Beide traditionellen Lager hatten nicht genügend Stimmen. Erstmals schaffte aber auch die Linke den Sprung in den Landtag. Sie erreichte 5,1 Prozent. Ypsilanti wollte mit ihr zusammenarbeiten, doch stürzte über zu starken Widerstand gegen diese Idee aus den eigenen Reihen.

Der Landtag musste deshalb aufgelöst werden und es kam am 18. Januar 2009 zu Neuwahlen. Hatte die Wahlbeteiligung 2008 noch bei 64,3 Prozent gelegen, sank sie auf 61,0 Prozent. Die CDU gewann die Wahl mit 37,2 Prozent – verlor real aber sogar Stimmen. Gnadenlos abgestraft wurde die SPD, die bei 23,7 Prozent landete. Die Grünen kamen mit 13,7 Prozent auf den besten Wert ihrer Geschichte in Hessen. Ähnliches galt für die FDP, die sogar 16,2 Prozent erreichte. Die Linke schaffte mit 5,4 Prozent den Wiedereinzug in den Landtag. CDU und FDP hatten mit 66 Mandaten eine komfortable Mehrheit und regierten fortan gemeinsam.

Wahlergebnisse 2003: Koch erreicht die absolute Mehrheit

Der Termin der Landtagswahlen 2003 war ein Geschenk für die CDU. Sie fanden am 2. Februar 2003 statt und wurden von der Bundespolitik dominiert. Die rot-grüne Bundesregierung unter Gerhard Schröder hatte bereits bekanntgegeben, dass es einschneidende Veränderungen in der Sozialpolitik geben würde. Diese sollten später als „Hartz IV-Reformen“ bekannt werden und waren bei großen Teilen der Bevölkerung unbeliebt. Roland Koch wurde Ministerpräsident in Hessen.

Die CDU erreichte so mit 48,8 Prozent ihr historisch bestes Wahlergebnis in Hessen. Sie konnte fortan sogar alleine regieren. Die SPD verlor dagegen 10 Prozent im Vergleich zu 1999 und landete noch bei 29,1 Prozent. Die Grünen sicherten sich Platz 3 mit 10,1 Prozent. Die FDP, die bislang mit der CDU gemeinsam regiert hatte, kam auf 7,9 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei 64,6 Prozent, was damals der schlechteste Wert war, der je in Hessen gemessen wurde.

Historische Wahlergebnisse in Hessen: Die SPD-Hochburg wird gestürmt

Ursprünglich war Hessen eine klassische SPD-Hochburg. Vor 1995 landete sie nie unter 40 Prozent. 1966 kam sie sogar auf 51 Prozent. 1983 kratzte sie mit 46,2 Prozent bei vorgezogenen Neuwahlen nochmals an der absoluten Mehrheit. Historisch waren diese Wahlen aber dennoch: Die SPD koalierte mit den Grünen – es war die erste rot-grüne Koalition der Geschichte.

Die CDU war in den ersten Jahrzehnten der Bundesrepublik in Hessen kein ernstzunehmender Herausforderer der SPD. 1950 kam sie sogar nur auf 18,8 Prozent. Erst 1970 trat eine Änderung ein – damals erreichte sie 39,7 Prozent. Vier Jahre später lag sie mit 47,3 Prozent erstmals in der Geschichte vor der SPD, die damals auf 43,2 Prozent kam. Fortan waren beide Parteien fast immer gleich stark, wenn es keine außerordentlichen Einflüsse gab. 1987 erreichte die CDU beispielsweise 42,1 Prozent und die SPD kam auf 40,2 Prozent. Vier Jahre später erreichte die CDU 40,2 Prozent und musste sich hauchdünn der SPD geschlagen geben, die 40,8 Prozent der Stimmen gewann.

Die FDP erreichte, abgesehen von 1982 als sie für den Sturz von Helmut Schmidt im Bund abgestraft wurde, immer den Landtag. 1950 kam sie sogar auf 31,8 Prozent der Stimmen. Seit 1958 schwankt sie zwischen 5 und 16,2 Prozent. Die Grünen traten erstmals 1978 in Hessen an. Sie kamen damals auf 2,0 Prozent. Vier Jahre später erreichten sie 8,0 Prozent und waren fortan immer im Landtag vertreten. In Hessen profitierte sie vor allem von den Widerständen gegen den Ausbau des Frankfurter Flughafens und den Castor-Transporten, die regelmäßig durch das Land rollten.

Das hessische Wahlrecht

In Hessen gilt das aktive Wahlrecht für den Landtag ab Vollendung des 18. Lebensjahres. Das passive Wahlrecht greift ab dem 21. Lebensjahr. Dies ist nirgendwo sonst in Deutschland der Fall. Gewählt wird nach einem personalisierten Verhältniswahlrecht. Die Hälfte der 110 Sitze des Landtags wird über eine Mehrheitswahl von Direktkandidaten vergeben, die Wahlkreisstimme heißt. Die andere Hälfte wird über geschlossene Listen besetzt. Diese Listen werden über die Zweistimme gewählt, die Landesstimme heißt. Ursprünglich betrug eine Legislaturperiode 4 Jahre. Dieser Wert wurde 2002 per Volksabstimmung auf 5 Jahre ausgedehnt.

Fazit: Hessen bevorzugt eine starke Opposition

Historisch gesehen zeigen die Wahlergebnisse aus Hessen, dass die Menschen eine Opposition bevorzugen, die fast auf Augenhöhe mit der Regierung liegt. Die ursprüngliche SPD-Vorherrschaft zerbrach, doch konnte sich die CDU nie richtig absetzen. Die Lager blieben auch nach der Gründung der Grünen in etwa auf Augenhöhe. Auch 2013 änderte sich trotz der Linkspartei im Prinzip nichts, wenn man die 4,1 Prozent der AfD dem Lager von CDU und FDP zurechnet. Hessen war und ist politisch ein spannendes Testlabor.