Wahlergebnisse Niedersachsen

Wahlergebnisse in Niedersachsen: Eine Übersicht, Einordnungen und Erklärungen

Niedersachsen ist das größte norddeutsche Bundesland. Schon deshalb kommt ihm eine besondere Bedeutung zu. Zudem ist es seit Jahrzehnten zwischen CDU und SPD hart umkämpft. Seit 1998 gab es sechs Ministerpräsidenten und fünf Abstimmungen. Die Analyse der Wahlergebnisse in Niedersachsen zeigt die Hintergründe dieser Entwicklungen auf und gestattet erklärende Einordnungen.

Aktuelle Wahlergebnisse in Niedersachsen: Die Landtagswahl 2017

Am 15. Oktober 2017 wählte Niedersachsen zuletzt seinen Landtag. Es handelte sich um eine vorgezogene Neuwahl, die durch den Fraktionsaustritt der Grünen Elke Twesten notwendig geworden war. Die rot-grüne Koalition verlor dadurch ihre Ein-Stimmen-Mehrheit. Der eigentlich für den 14. Januar 2018 angesetzte Wahltermin wurde deshalb vorgezogen.

Die Neuwahlen standen unter dem Eindruck der Bundestagswahlen, die nur drei Wochen zuvor stattgefunden hatten. Die SPD gewann die Abstimmung mit 36,9 Prozent. Auf Platz 2 folgte die CDU mit 33,6 Prozent. Die Sozialdemokraten gewannen gegenüber 2013 deutlich hinzu, die Union büßte hingegen spürbar Prozente ein.

Platz 3 sicherten sich die Grünen mit 8,7 Prozent. Sie verloren deutlich gegenüber 2013. Offenbar wurde ihnen die Schuld am Platzen der bisherigen Regierung gegeben. Platz 4 sicherte sich die FDP mit 7,5 Prozent. Sie verlor zwar gegenüber den Wahlen 2013 leicht, erreichte aber dennoch ein gutes Ergebnis. Bei der vorherigen Abstimmung hatte sie massiv Leihstimmen von der CDU bekommen.

Die erstmals angetretene AfD erreichte 6,2 Prozent der Stimmen und schaffte damit ebenfalls den Einzug in den Landtag. Die Linke scheiterte dagegen mit 4,6 Prozent an der Fünf-Prozent-Hürde. Verglichen mit 2013 legte sie aber um 1,5 Prozent zu.

Die Meinungsforschungsinstitute führten den Sieg der SPD vor allem auf die Popularität von Ministerpräsident Stephan Weil zurück. Dieser hatte wesentlich höhere Zustimmungswerte als sein CDU-Herausforderer Bernd Althusmann.

Wahlergebnisse in Niedersachsen historisch

Wahlergebnisse in Niedersachsen bei den drei vorangegangenen Landtagswahlen

Bei den drei vorangegangenen Landtagswahlen 2003, 2008 und 2013 wurde stets die CDU stärkste Partei. Allerdings verlor sie zunehmend an Zustimmung. 2003 erreichte sie mit 48,3 Prozent sogar fast die absolute Mehrheit. Sie profitierte dabei vom bundespolitischen Trend. Die Landtagswahlen fielen fast zeitgleich mit der Bekanntgabe der Hartz IV-Reformen der rot-grünen Bundesregierung zusammen.

Die SPD pendelte bei den Wahlen zwischen 33,4 (2003) und 30,3 Prozent (2008). 2013 erreichte sie 32,6 Prozent. Sie schien die strukturelle Mehrheit an die CDU verloren zu haben. Profitieren von der Schwäche der Sozialdemokraten gegenüber vorherigen Wahlen konnten vor allem die Grünen. Sie stiegen von 7,6 Prozent (2003) auf 8,0 Prozent (2008) und schließlich sogar 13,7 Prozent (2013). Dass die Grüne 2017 schlechtere Wahlergebnisse in Niedersachsen holten, während die SPD gewann, zeigt, dass es hier wohl einen Zusammenhang gab.

Relativ stabil waren die freien Demokraten. Sie landeten 2003 bei 8,1 Prozent und 2008 bei 8,2 Prozent. 2013 stand der bundespolitische Trend eigentlich gegen die FDP. Die Partei sollte in diesem Jahr erstmals den Einzug in den Bundestag verpassen. Doch zahlreiche CDU-Wähler befürchteten deshalb ein Zerbrechen der damals noch regierenden schwarz-gelben Koalition, wie Nachwahl-Analysen offenbarten. Die FDP erreichte so überraschende 9,9 Prozent. Tatsächlich ging die Rechnung jedoch nicht auf. Durch die Stärke der FDP wurde die CDU zu schwach – so kam es zum Regierungswechsel.

Die Linke erlebte zwischen 2003 und 2013 eine Achterbahnfahrt. 2003 holte sie bei ihrem ersten Antritt nur 0,5 Prozent. Bei den Wahlen 2008 reichte es dagegen zu 7,1 Prozent. 2013 stürzte sie auf 3,1 Prozent ab. Dies hing vermutlich mit einigen Äußerungen der Abgeordneten Christel Wegner zusammen, die öffentlich ihre Zuneigung zur Stasi bekundete.

Andere Parteien kamen nicht einmal in die Nähe der Fünf-Prozent-Hürde. Die Piraten landeten beispielsweise 2013 nur bei 2,1 Prozent. Die NPD kam nie über 1,5 Prozent hinaus.

Wahlergebnisse in Niedersachsen bis 1998

Lange war Niedersachsen Hochburg der SPD. Bis 1974 waren die Sozialdemokraten stets die stärkste Partei. Ihr Vorsprung vor der CDU war allerdings stets nur gering. Dann wandelte sich das Blatt. Bis 1990 war stets die CDU stärkste Partei und die SPD musste sich mit dem zweiten Platz begnügen. Die FDP schaffte zumeist mit 6 bis 9 Prozent in den Landtag. Nur zwei Mal scheiterte sie an der Fünf-Prozent-Hürde. Aus der Zeit vor der Wiedervereinigung sind besonders die Wahlergebnisse in Niedersachsen 1967 bemerkenswert. Damals gelang der NPD mit 7,0 Prozent der Stimmen der Einzug in den Landtag. Die Grünen schafften außerdem erstmals 1982 den Einzug in den Landtag.

Seit 1990 führte Gerhard Schröder die SPD, der bei den Niedersachsen große Zustimmungswerte hatte. Unter ihm schnitten die Sozialdemokraten nie schlechter als 44,2 Prozent ab. 1998 reichte es sogar für 47,9 Prozent. Schröder bewarb sich damals um die Kanzlerkandidatur in der SPD und konkurrierte mit Oskar Lafontaine. Die Wahlergebnisse in Niedersachsen galten als Votum für Schröder, der einige Monate später tatsächlich zum Bundeskanzler gewählt werden sollte.

Wahlrecht in Niedersachsen

Das niedersächsische Wahlrecht entspricht dem bundesdeutschen Durchschnitt. Es wird mit Erst- und Zweitstimme gewählt. Zudem gilt seit 1959 eine Fünf-Prozent-Hürde.

Fazit: Wahlergebnisse in Niedersachsen werden stark von Bundespolitik beeinflusst

Die bundespolitischen Trends sind über die Wahlergebnisse in Niedersachsen deutlich abzulesen. In den vergangenen 20 Jahren galt dies beispielsweise für 1998, 2003, 2013 und 2017 (schon wegen der zeitlichen Nähe zur Bundestagswahl). Das norddeutsche Flächenland ist zudem nach wie vor eine Hochburg der großen Parteien. Seit 1959 haben weder CDU noch SPD mit weniger als 30 Prozent abgeschnitten. Die Sozialdemokraten waren überhaupt nie schlechter als 30,3 Prozent. Neue Parteien haben es zudem vergleichbar schwer, sich in Niedersachsen durchzusetzen. Dies zeigen die Wahlergebnisse der Linken und auch der AfD, die deutlich schlechter als in anderen Ländern abschnitt.