Wahlergebnisse Schleswig-Holstein

Wahlergebnisse in Schleswig-Holstein – Aktuell und Historisch

Schleswig-Holstein ist Deutschlands nördlichstes Bundesland und gehört mit knapp 2,9 Millionen Einwohnern und rund 2,3 Millionen Wahlberechtigten zu den kleineren Ländern. Der Kieler Landtag umfasst derzeit 73 Sitze und wird seit 2000 alle fünf Jahre neu gewählt. Vorher bestand eine vierjährige Legislaturperiode. Auch in Schleswig-Holstein gilt die Fünf-Prozent-Hürde. Eine Ausnahme besteht insofern, als der Südschleswigsche Wählerverband (SSW) – die Vertretung der dänischen Minderheit – ausgenommen ist. Der SSW war bisher in fast allen Landtagen seit 1947 vertreten.

Die aktuellen Umfragewerte der Sonntagsfrage für Schleswig-Holstein zeigen, wie sich die Stimmung im Land seit den letzten Landtagswahlen verändert hat.

Ergebnis der letzten Landtagswahlen in Schleswig-Holstein 2017

Der letzte Schleswig-Holsteinische Landtag wurde am 7. Mai 2017 gewählt und bescherte einen weiteren politischen Machtwechsel. Dabei gab es vor allem im Bereich der kleineren Parteien viel Bewegung. Die CDU konnte mit geringfügigen Stimmengewinnen und einem Ergebnis von 32,0 Prozent ihre Position als stärkste Partei festigen. Die SPD musste 3,1 Prozentpunkte abgeben und erzielte 27,2 Prozent, gefolgt von den nur wenig veränderten Grünen mit 12,9 Prozent. Mit einem zweistelligen Resultat (11,5 Prozent) konnte die FDP ihren Stimmenanteil um mehr als ein Viertel steigern. Die AFD zog mit fast sechs Prozent erstmals in den Landtag ein, während die zuvor starken Piraten in der Bedeutungslosigkeit versanken. Durch das Wahlergebnis verlor die bisherige Koalition aus SPD, Grünen und SSW ihre Mehrheit. Sie wurde durch eine Regierung aus CDU, Grünen und FDP unter Daniel Günther (CDU) abgelöst.

Frühere Wahlergebnisse in Schleswig Holstein

Landtagswahlergebnisse in Schleswig-Holstein 2012

Die Landtagswahl am 6. Mai 2012 musste vorzeitig aufgrund eines Urteils des Landesverfassungsgerichts durchgeführt werden. Das Gericht hatte die Verteilungs-Praxis bei Ausgleichsmandaten beanstandet. Die Wahl bescherte der SPD deutliche Gewinne und ein Ergebnis (30,4 Prozent) nahe der CDU. Diese konnte sich mit leichten Verlusten bei 30,8 Prozent behaupten. Dramatisch verlor der Koalitionspartner FDP, der von einem Spitzenergebnis in 2009 auf 8,2 Prozent (- 6,7 Prozent) abstürzte und damit wieder „Normalmaß“ erreichte. Die Grünen konnten sich mit 13,2 Prozent leicht steigern. Den Piraten gelang mit 8,2 Prozent ein Überraschungserfolg und der Einzug in den Landtag, während die Linke unter die Fünf-Prozent-Hürde rutschte und ausschied. Aufgrund der starken FDP-Verluste und der Neuregelung der Ausgleichsmandate verlor die CDU/FDP-Koalition ihre Mehrheit. Es folgte eine Koalition aus SPD, Grünen und SSW unter Thorsten Albig (SPD).

Ergebnisse der Landtagswahlen in Schleswig-Holstein 2009

Zeitgleich mit der Bundestagswahl fand am 27. September 2009 die vorgezogene schleswig-holsteinische Landtagswahl statt. Sie war aufgrund des Auseinanderbrechens der 2005 gebildeten Großen Koalition aus CDU und SPD unter Peter Harry Carstensen (CDU) notwendig geworden. Die Wahl brachte beiden ehemaligen Regierungspartnern schwere Verluste. Die CDU verlor 8,3 Prozent und kam noch auf 31,5 Prozent, die SPD erreichte nach einem Minus von 13,3 Prozentpunkten lediglich 25,4 Prozent. Profiteure waren die kleineren Parteien FDP (14,9 Prozent), Grüne (12,4 Prozent) und Linke (6,0 Prozent), die alle kräftig zulegten. Der Linken gelang erstmals der Einzug in den Kieler Landtag. Trotz der CDU-Verluste reichte es durch Ausgleichsmandate für eine CDU/FDP-Koalition. Peter Harry Carstensen blieb Ministerpräsident.

Schleswig-Holstein – Landtagswahlen 2005

Bei der Landtagswahl am 20. Februar 2005 wurde die CDU mit einem Plus von fünf Prozentpunkten und 40,2 Prozent der Stimmen erstmals seit Längerem wieder stärkste Kraft. Die SPD musste 4,4 Prozent abgeben und kam noch auf 38,7 Prozent. Daneben zogen FDP, Grüne und der SSW – mit wenig veränderten – Ergebnissen in den Landtag ein. Obwohl rechnerisch trotz der SPD-Verluste eine Fortsetzung der rot-grünen Koalition mit Duldung durch den SSW möglich gewesen wäre, kam es zu einem Regierungswechsel, weil die bisherige Ministerpräsidentin Heide Simonis (SPD) in mehreren Wahlgängen nicht die erforderliche Mehrheit erreichen konnte. Der Ausweg aus dem politischen Patt bot die Bildung einer Großen Koalition unter Peter Harry Carstensen (CDU).

Wahlergebnisse in Schleswig Holstein vor 2005

Seit dem Ende der 1950er Jahre bis in die 1980er Jahre ist Deutschlands nördlichstes Bundesland eine CDU-Hochburg gewesen. Die CDU war in diesem Zeitraum stärkste Partei, erzielte Wahlergebnisse in Schleswig-Holstein deutlich über 40 Prozent und konnte zweimal (1971 und 1975) sogar die absolute Stimmenmehrheit erreichen. Die SPD war dagegen ewige Nummer 2. Im Zuge der Barschel-Affäre 1987 kehrte sich die Reihenfolge um. Bis zur Landtagswahl 2005 war die SPD die führende Kraft im Land, bei der (außerordentlichen) Landtagswahl 1988 sogar mit absoluter Mehrheit. Die Grünen sind seit 1996 kontinuierlich im Landtag – mit tendenziell steigenden Stimmenanteilen. Die FDP war in den meisten Wahlperioden im Parlament vertreten, musste aber gelegentliche Auszeiten (Landtagswahlen 1971, 1983, 1988) verkraften. Der SSW stellte – mit wenigen Ausnahmen – immer ein bis drei Abgeordnete. In den 1950er Jahren spielte die Vertriebenen-Partei BHE in Schleswig-Holstein eine wichtige Rolle, die sich danach aber verlor.

Wissenswertes zum Wahlsystem in Schleswig-Holstein

Analog zur Bundesebene gilt in Schleswig-Holstein ein Zweistimmen-Wahlrecht. Die Erststimme ist dabei für den Wahlkreis-Kandidaten, die Zweitstimme für die Partei. Nach der Reform des Verfahrens für Ausgleichsmandate werden Überhangmandate durch mehr direkt gewählte Abgeordnete, als dem Stimmenanteil einer Partei entspricht, bei anderen Parteien vollständig ausgeglichen. Ansonsten erfolgt die Sitzverteilung im Landtag nach dem Verhältniswahlsystem. Dabei gilt die übliche Fünf-Prozent-Hürde (oder mindestens ein Direktmandat) – mit der bereits erwähnten Ausnahme für den SSW. Das aktive Wahlrecht beginnt bereits mit dem 16., das passive ab dem 18. Lebensjahr.

Wahlergebnisse in Schleswig-Holstein – Trends und Entwicklungen

Wie auch in anderen Bundesländern zeigen die Wahlergebnisse in Schleswig-Holstein in den letzten Wahlperioden eine Erosion der beiden „großen“ Parteien. Sowohl CDU als auch SPD sind weit von den 40 Prozent entfernt. Die Grünen haben sich längerfristig als dritte Kraft etabliert, die FDP liegt deutlich über fünf Prozent. Dieses Bild und Kräfteverhältnis zeigt sich auch in den Sonntagsfragen seit der letzten Landtagswahl. Mit der AfD ist 2017 erstmals eine neue politische Kraft in den Landtag eingezogen, die sich dort auch auf längere Sicht etablieren könnte. Allerdings ist die AfD im Vergleich zu anderen Bundesländern in Schleswig-Holstein vergleichsweise schwach. Auch die Sonntagsfragen seit 2017 deuten nicht auf ein nachhaltiges Erstarken hin.